Die elektronische Beschaffung im öffentlichen Bereich wird Realität

Erfolgreicher internationaler Kongress zum Thema eProcurement in Europa

Wien (OTS) - Die elektronische Beschaffung, also die vollständig elektronisch, im Internet, abgewickelten Einkäufe und Ausschreibungen der öffentlichen Hand, gewinnt in Europa immer mehr an Bedeutung. Dies zeigte zuletzt der erfolgreiche internationale Kongress, der am 24. März 2011 im Tech Gate in Wien stattfand.

auftrag.at, eine Tochterfirma der Wiener Zeitung, hatte bereits zwei Mal zuvor einen Fachkongress zum Thema öffentliche elektronische Beschaffung in Europa veranstaltet. Noch nie war das Interesse so groß wie in diesem Jahr. Behördenvertreter, ausgewiesene Wissenschaftler und Softwarelieferanten aus 18 europäischen Staaten waren anwesend und erörterten den Fortschritt der elektronischen Beschaffung im öffentlichen Bereich.

Elektronische Beschaffung bedeutet, dass Ausschreibungen und Einkäufe der öffentlichen Hand papierlos mit Hilfe des Internets nach EU-weit geltenden Regeln abgewickelt werden. Durch die Verlagerung der Beschaffung in das Internet wird die Auftragsvergabe transparent und erreicht einen großen Adressaten-Kreis. Damit verbunden sind eine erhöhte Effizienz und mehr Wettbewerb bei öffentlichen Ausschreibungen.

EU-weit steigen immer mehr Behörden auf elektronische Beschaffung um

Dass Behörden auf elektronische Beschaffung umsteigen, ist offensichtlich. Österreich spielt dabei eine Vorreiterrolle. Wie Paul Humann, Geschäftsführer von auftrag.at erläutert, können in Österreich alle öffentlichen Auftraggeber medienbruchfrei elektronisch mit Hilfe der Internet Ausschreibungsplattform von auftrag.at beschaffen - das heißt, Bedarfe kundmachen, Unterlagen zur Verfügung stellen, Angebote entgegennehmen etc. Die ausschreibende Stelle braucht dazu lediglich einen Internetzugang.

Somit hat Österreich in diesem Punkt die 2005 unter den EU-Mitgliedsstaaten vereinbarte freiwillige Selbstverpflichtung erfüllt: Bis 2010 sollten demnach alle öffentlichen Auftraggeber in der Lage sein, elektronisch zu beschaffen. Eine tatsächliche Nutzung dieser Tools in der Höhe von 50 % wurde angestrebt. Dieser Nutzungsgrad wurde seitens der österreichischen Verwaltung noch nicht erreicht. Jedoch ist ein deutlicher Anstieg bereits zu erkennen und in den nächsten 18 Monaten noch ein weiteres Wachstum zu erwarten.

Speziell in einigen südlichen Staaten der Europäischen Union hat die elektronische Beschaffung bereits einen hohen Durchdringungsgrad. In Portugal werden zirka 75 % aller Beschaffungsvorhaben bereits elektronisch abgewickelt. Ähnlich hohe Raten nannten während des Kongresses auch Vertreter Zyperns, Albaniens und der Türkei. Der Grund für diesen hohen Durchdringungsgrad ist, dass die öffentliche Hand in diesen Ländern gesetzlich verpflichtet ist, die elektronischen Möglichkeiten zu nutzen.

Elektronische Ausschreibungen bringen Transparenz, Wettbewerb, Effizienz und beste Preise

Elektronisch zu beschaffen, hat für die öffentliche Hand und für die anbietenden Unternehmen viele Vorteile: Durch die Transparenz des Internets wird Korruption erschwert, der Prozess wird durch Papierlosigkeit effizienter und durch den größeren Wettbewerb werden schließlich bessere Preise erzielt. Durch die Verwendung des Internets als Medium langen bis zu drei Mal so viele Angebote zu einer Ausschreibung ein. Auch für die Wirtschaftstreibenden ergeben sich Einsparungen: Angebote können schneller und einfacher erstellt werden und durch den Wegfall von geografischen Barrieren können Vertriebsaktivitäten ausgeweitet werden.

Grenzüberschreitende Beschaffung noch verbesserungsfähig

Weiteres Verbesserungspotenzial gibt es gegenwärtig noch bei der grenzüberschreitenden öffentlichen Beschaffung. Wie die Vertreterin der europäischen Kommission NAME während des Kongresses erläuterte, behindern neben sprachlichen Hemmnissen vor allem national unterschiedliche gesetzliche Auslegungen der EU-Richtlinien und die ortsüblichen Beschaffungsusancen häufig grenzüberschreitende Ausschreibungen.

Handlungsbedarf bei der elektronischen Signatur

Die qualifizierte elektronische Signatur, die die Identität einer Person auch im Internet sicherstellt, ist ein weiteres Hemmnis für das reibungslose Funktionieren der elektronischen Beaschaffung über Ländergrenzen hinweg.

Länder, in denen die elektronische Signatur bei der elektronischen Beschaffung verpflichtend ist, wie zum Beispiel Österreich oder Belgien, haben nationale Lösungen entwickelt, die in den meisten Fällen nicht grenzüberschreitend funktionieren.

Zwei EU-Initiativen, in die beinahe alle europäischen Mitgliedstaaten involviert sind, haben sich der Problematik angenommen: Das vom CIO der österreichischen Bundesverwaltung, Dr. Reinhard Posch, vorgestellte Projekt STORK sucht nach Wegen, wie die elektronische Identität von Personen europaweit ausgetauscht werden kann. PEPPOL, das vom deutschen Verantwortlichen NAME vorgestellt wurde, entwickelt Lösungen, um Zertifikate europaweit prüfen zu können. Dies stieß insbesondere bei den Ländern, die keine verpflichtende elektronische Signatur haben, wie zum Beispiel Polen oder Norwegen, auf großes Interesse. Derzeit werden qualifizierte Zertifikate oft als Ersatz für die elektronische Signatur eingesetzt.

Single sign on als Ziel - in Österreich Realität

Idealerweise können in Zukunft anbietende Unternehmen mit nur einem Einstieg alle Beschaffungsplattformen in der EU nutzen. Eine solche "Single-Sign-on"-Initiative stellte die Repräsentantin des Beschaffungsamtes des deutschen Innenministeriums NAME für Deutschland vor. Während auch in Großbritannien ein solcher Universal-Einstieg noch eine Forderung ist, wird dies in Österreich als Unternehmensserviceportal bereits realisiert.

Dieser dritte Workshop zur elektronischen Beschaffung der öffentlichen Hand war ein großer Erfolg: "Der internationale Austausch in diesem Bereich ist enorm wichtig", sagt Paul Humann. "Schließlich bringt das elektronische Ausschreiben dann Wirtschaft und Gesellschaft am meisten, wenn es international einfach einsetzbar ist."

Im Frühjahr 2012 wird auftrag.at/Wiener Zeitung den vierten Kongress zur elektronischen Beschaffung in Wien veranstalten. Schwerpunkte werden dann die genannten EU-Initiativen sein.

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Mag Elisabeth Grünmann
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