ÖAMTC warnt: Aktuelle Untersuchung zeigt, die meisten gefährlichen Wildunfälle passieren um 22 Uhr

Zeitumstellung und Mobilitätsverhalten des Menschen beeinflussen Wildtiere

Wien (OTS) - Wildtiere sind besonders im Frühjahr immer wieder Auslöser für schwere Unfälle. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass sich das Verhalten der Tiere geändert hat. "Wildtiere sind nicht mehr hauptsächlich dämmerungsaktiv. Die meisten gefährlichen Wildunfälle ereignen sich von 20 bis 22 Uhr. In wildreichen Regionen muss man sogar ganztägig und bis in die Dörfer mit Wild auf der Straße rechnen", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider. Änderungen im Verhalten der Wildtiere bestätigt auch Wolfgang Steiner von der Universität für Bodenkultur in Wien: "Wildtiere sind im Frühjahr sehr aktiv. Gleichzeitig bewegen sich die Menschen mehr als früher in der Natur, z. B. mit Fahrrad, als Jogger oder beim Hundespaziergang. Die Wildtiere versuchen, den menschlichen Aktivitäten räumlich und zeitlich auszuweichen." Mit der Umstellung auf die Sommerzeit ändert sich das Mobilitätsverhalten der Menschen noch einmal, sie sind abends länger unterwegs. Für die Wildtiere ist das ein weiterer plötzlicher Stressfaktor, der zu ungewollten Zusammentreffen führen kann.

Insgesamt ereigneten sich laut vorläufigen Unfallzahlen der Statistik Austria im Straßenverkehr von Jänner bis Ende September 2010 in Österreich 91 Wildunfälle mit Personenschaden, dabei wurden 101 Personen verletzt. Etwa 100.000 Wildtiere verenden jährlich auf Österreichs Straßen. Der volkswirtschaftliche Schaden in Österreich durch Wildunfälle wird laut Expertenmeinung von Steiner auf jährlich 100 Millionen Euro geschätzt, Tendenz steigend.

Bei einem Aufprall mit 50 km/h entwickelt ein 20-kg-Reh die Wucht von einer halbe Tonne - Motorradfahrer besonders gefährdet

Je weniger Verkehr in einer Region, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einem Wildtier zu begegnen. Besonders gefährlich ist das für Motorradfahrer, die ebenfalls Routen abseits der Hauptverkehrsströme bevorzugen und mit dem Frühjahr aktiv werden. "Bei einem Wildunfall ist das Verletzungsrisiko für Einspurige um vieles höher als für Autofahrer", gibt der ÖAMTC-Verkehrsexperte zu bedenken. Fast die Hälfte aller Verletzten bei Wildunfällen (Jänner bis September 2010) waren Moped- oder Motorradfahrer. "Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildtier treten schon bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr hohe Kräfte auf. Trifft man mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht bereits zwei Tonnen", rechnet Schneider vor. Vorausschauendes Fahren, eine rasche Reaktion in Kombination mit der richtigen Fahrtechnik und die Ausstattung von Motorrädern mit ABS können helfen, Unfälle zu vermeiden.

Pilotprojekt der Universität für Bodenkultur in Niederösterreich

Um die Zahl der Wildunfälle zu reduzieren, wurde von der Universität für Bodenkultur, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, ein ehrgeiziges Pilotprojekt ins Leben gerufen. Dabei werden in Niederösterreich die Wirksamkeit unterschiedlicher Wildwarnsysteme sowie ökologische, straßenbauliche und jagdwirtschaftliche Maßnahmen getestet. "Ziel ist, die Wildverluste in Niederösterreich maßgeblich zu verringern", erklärt der wissenschaftliche Projektleiter Steiner. Darüber hinaus sollen Erfahrungswerte der Unfallprävention in der Praxis gesammelt und durch wissenschaftliche Analysen ausgewertet werden.

Wie Fahrzeuglenker Wildunfälle vermeiden und im Notfall richtig reagieren

Um Wildunfälle zu vermeiden, gilt es, im Bereich von Wildwechsel-Warnschildern aufmerksam und vorausschauend zu fahren und den Abstand zum Vorderfahrzeug möglichst groß zu halten. Ist ein Wildtier in Sicht, heißt es Geschwindigkeit reduzieren, Fernlicht ausschalten und hupen. Läuft das Tier davon, sollte man weiter vorsichtig sein, da Wildtiere meist in Gruppen flüchten. Ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, sollte der Lenker stark bremsen und dabei das Lenkrad gut festhalten. Riskante Ausweichmanöver sind zu vermeiden. "Ausweichmanöver bergen ein höheres Risiko als ein Frontalzusammenstoß. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr bei einem Crash mit einem Wildtier für Autoinsassen relativ gering", sagt ÖAMTC-Experte Schneider.

Passiert trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Unfall mit einem Wildtier, sind folgende Punkte zu beachten: Warnblinkanlage einschalten und Unfallstelle mit dem Pannendreieck absichern, eventuell verletzte Personen versorgen und Polizei verständigen, auch wenn das (verletzte) Tier weiterläuft. Für die Kasko-Versicherung wird eine polizeiliche Meldebestätigung des Unfalls benötigt. Verletzte Tiere nicht berühren. Wer das verletzte oder getötete Wild mitnimmt, macht sich wegen Diebstahls strafbar.

Weitere Informationen findet man online unter www.oeamtc.at .

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Dagmar Halwachs
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
pressestelle@oeamtc.at
http://www.oeamtc.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0001