- 25.03.2011, 10:30:57
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Wasserkraft - Lobby missbraucht Atomangst für ihre Profitzwecke
WWF befürchtet völlige Zerstörung der heimischen Flüsse und fordert Stopp der Stromverschwendung
Wien (OTS) - Der WWF ist schockiert, dass der VERBUND die
Atomkatastrophe von Fukushima nach einer - sehr knapp bemessenen -
Pietätszeit für eine Offensive in Sachen Wasserkraft nutzt. Noch
während die Einsatzkräfte in Japan mit der Eingrenzung der
Katastrophe kämpfen ortet hierzulande Verbundchef Anzengruber ein
Ausbaupotential für die Wasserkraft um 14 Terawattstunden bis 2030.
"Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe vervierfacht Anzengruber
gleich einmal die in der Energiestrategie Österreichs
festgeschriebene Ausbauzahl", schüttelt Christoph Walder,
WWF-Flussexperte den Kopf. "Selbst wenn man alle Flüsse bis auf den
letzten Wassertropfen zubetonieren würde, kann der Energiebedarf in
den nächsten Jahren aus Wasserkraft nicht gedeckt werden. Die Folge
aus dem Totalverbau wäre der Tod unserer heimischen Gewässer, und
dennoch keine Lösung des Energieproblems, wenn der Verbrauchszuwachs
weiterhin alles auffrisst. Energieeffizienz und ökologisch und sozial
verträglicher Ausbau bei den erneuerbaren Energien lautet das
Gegenrezept des WWF.
Damit die Halbierung des Gesamtenergieverbrauchs in Österreich bis
2030 gelingen und Öl und Gas durch Erneuerbare ersetzt werden können,
müsse die Wasserkraft massiv ausgebaut werden, argumentiert der
VERBUND. "Hier werden - vielleicht bewusst - Äpfel mit Birnen
vermischt", konstatiert Walder. "Denn nicht nur der Energieverbrauch
gehört massiv gesenkt, sondern vor allem auch der Stromverbrauch!".
Derzeit entfallen nur 18 Prozent des heimischen Energiebedarfs auf
Strom. Den Löwenanteil macht jene Energie aus, die wir für Autofahren
und Wärme brauchen. Wenn fossile Energien durch Strom ersetzt werden,
steigt der Stromanteil am Gesamtenergieverbrauch automatisch und
verspricht gute Geschäfte. "Erst wenn der jährliche
Stromverbrauchszuwachs von rund zwei Prozent nicht als Naturgesetz
hingenommen, sondern gestoppt wird, kann es zu einer echten
Energiewende in Österreich kommen."
Auch das Argument, dass Österreich nicht genügend Strom hat und ihn
deshalb importieren und seine Wasserkraft ausbauen muss, lässt Walder
vom WWF so nicht gelten. Der billige Strom aus Kohle und Atom wird
nicht wegen der Versorgungssicherheit Österreichs eingeführt, sondern
für den Betrieb der riesigen Pumpspeicheranlagen in den Alpen. "Diese
Pumpspeicher verkauft man uns als saubere Wasserkraft, die drei
Viertel des heimischen Bedarfs decken sollen. Tatsächlich sind diese
Anlagen reine cash cows, die mit billigem Mixstrom aus dem Ausland
hauptsächlich Spitzenstrom für den Export erzeugen", stellt Walder
klar.
In Wahrheit kann Wasserkraft niemals die bestehenden Kohle-, Gas- und
Atomkraftwerke ersetzen. "Voraussetzung für die Erhöhung des Anteils
der Erneuerbaren, ist ein Stopp der Energieverschwendung in allen
Sektoren", so Walder. "Das klingt nicht sehr sexy und es will auch
keiner hören, aber um Einsparmaßnahmen kommen wir nicht herum!" Durch
die in der Energiestrategie Österreichs genannten Einsparmaßnahmen
und Effizienzsteigerungen könnten rund 17 Terawattstunden Energie
eingespart werden - das entspricht immerhin rund 10 bis15
Atomkraftwerken des Typs Zwentendorf.
"Mit dieser Kampfansage beschwört der VERBUND nach der Klima- und
Atomkatastrophe eine andere Katastrophe herauf, nämlich den Kollaps
der österreichischen Flüsse", so Walder. Die Folgen wären dramatisch:
Verfaultes Grundwasser, Hochwasserverschärfung und Beraubung der
Flüsse um ihre Selbstreinigungskraft, die für Trinkwasser so
notwendig ist.
Schon jetzt befinden die österreichischen Flüsse aufgrund des hohen
Ausbaugrades der Wasserkraft und überzogener Flussverbauungen in
einem desaströsen Zustand, wie eine Studie der Universität für
Bodenkultur nachweist. Auf einer Skala von 1 bis 5 erreichen sie in
der Bewertung "Ökologischer Zustand" nur den Wert von 3,7. In
einfacheren Worten: Bereits 70 Prozent der heimischen Flüsse sind
beeinträchtigt bis zerstört.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF-Österreich, Tel: 01/488 17 250, email: claudia.mohl@wwf.at
Christoph Walder, WWF-Flussexperte, Tel: 0676/92 55 430, email: walder@ecotone.at
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