Missbrauch und Gewalt: Bisher 499 Opfer bestätigt

Bischofskonferenz gibt neueste Zahlen zur Aufklärung der Missbrauchsfälle bekannt - Bisherige Maßnahmen haben sich als richtig und wichtig erwiesen

Wien, 25.03.11 (KAP) Nach Angaben der kirchlichen Ombudsstellen hat sich im Vorjahr bei insgesamt 499 Personen der Verdacht erhärtet, dass sie Opfer von Übergriffen im kirchlichen Bereich geworden sind. Das teilte die Österreichische Bischofskonferenz am Freitag nach Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung mit. Eine strafrechtliche Relevanz sei bei 4,4 Prozent der Fälle - also bei 22 der 499 mutmaßlichen Opfer - wahrscheinlich. Um aber keinesfalls eine mögliche strafrechtliche Relevanz zu übersehen, seien von kirchlicher Seite dennoch 25,1 Prozent - also 125 Fälle - zur Anzeige gebracht worden, betonten die Bischöfe.

Von den insgesamt 499 Opfern ging es laut den Angaben bei 55 Prozent um sexuellen Missbrauch, bei 28 Prozent um Gewalt und 17 Prozent waren von Gewalt und sexuellem Missbrauch betroffen. Insgesamt bezogen sich 53 Prozent der Fälle auf Ereignisse vor 1970, sie liegen folglich mehr als 40 Jahre zurück. 42 Prozent der Fälle betrafen den Zeitraum von 1971 bis 1992.

Die Bischöfe ersuchten einmal mehr, mögliche weitere Betroffene mögen sich rasch bei einer kirchlichen Ombudsstelle oder bei der von Waltraud Klasnic geleiteten Opferschutzanwaltschaft melden.

Seit dem Bekanntwerden der Übergriffe seien innerhalb der Kirche viele Maßnahmen gesetzt worden, "um Opfern konkret zu helfen, seelische Verwundungen zu heilen und die Prävention zu stärken", betonen die Bischöfe in ihrer Erklärung. Die im Juni 2010 von der Bischofskonferenz beschlossenen Richtlinien hätten sich in der Praxis bewährt, ein Großteil davon sei bereits in allen Diözesen umgesetzt.

Seit Herbst 2010 arbeitet die von der Bischofskonferenz errichtete "Stiftung Opferschutz", an der sich die Diözesen und die Ordensgemeinschaften beteiligen. Über diese Stiftung wird die freiwillige finanzielle Hilfe der Kirche an die Opfer ausbezahlt. Grundlage dafür sind die individuellen Entscheidungen der Unabhängigen Opferschutzkommission unter dem Vorsitz Klasnics, die im Zweifelsfall immer für das Opfer entscheide, so die Bischöfe.

Die Tatsache, dass sich die bisher von Bundesländern errichteten Kommissionen an der Unabhängigen Opferschutzkommission orientieren, "bestätigt die Richtigkeit des Weges, den die Kirche im Umgang mit Gewalt und Missbrauch weiter gehen wird".

Die Erklärung im Wortlaut ist im Internet unter www.kathpress.at/biko abrufbar.

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