"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum die Rettung des Euro wehtun muss" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 24.03.2011

Graz (OTS) - Wenn sich die Regierungschefs in Brüssel treffen,
um beim Eurogipfel den neuen Rettungsschirm aufzuspannen, geht es um ein gewaltiges Paket, mit dem man die Eurozone krisenfester und wettbewerbsfähiger machen will. Speziell die reichen Länder haben dabei allerdings eine Finanzlast zu schultern, die man getrost als "Hammer" bezeichnen kann.

In den letzten Monaten wurde zwar vielfach mit noch größeren Summen hantiert, dabei handelte es sich jedoch "nur" um Garantien, die die Haushalte nicht belasten. Jetzt geht es um mehr, jetzt geht es um "Cash". Deutschland muss mit 22 Milliarden Euro die größte Last schultern, Österreich kommt immerhin noch auf 2,2 Milliarden. Die sind natürlich nirgends vorhanden, also muss man das Geld in Form eines Kredites auftreiben und dafür Zinsen zahlen.

Das schmerzt, das tut weh und das ist wahrscheinlich auch gut so. Die Krisenhilfe ist nicht mehr virtuell und Rechenkünstler können künftig nicht mehr auftreten und argumentieren, die Hilfsmilliarden seien möglicherweise wegen der Zinsgewinne noch ein Geschäft für die Geberländer. Und letztlich könnte man noch behaupten, nur wer eine saftige Rechnung für die Rettung des Euro erhält, dürfte darauf schauen, dass sich alle Partner an die vereinbarten Spielregeln halten. Denn Kontrolle, ist wohl allen klar, war bis dato nicht gerade eine Stärke der EU. Sonst hätten wir kein Griechenland-Problem.

Bei allen Vorteilen, die der ab 2013 wirksame Euroschutzschirm (ESM) auch für stark strapazierte Länder wie Deutschland bringt, darf man nicht übersehen, dass mit dem ESM an den Grundfesten der EU gerüttelt wird. Das eherne Prinzip, jedes Land müsse seine Probleme selber lösen, wird damit über den Haufen geworfen, marode Länder können sich künftig eine Weile an den Dauertropf der Union hängen und sich auf die Rettung durch die anderen Länder verlassen. Das mag derzeit gerade noch auf Akzeptanz stoßen, zur Finanzierung eines Dauer-Schlendrians taugt der Milliarden-Topf indes nicht. Oder noch drastischer formuliert: Der Deutsche, der mit 67 in Rente geht, dürfte den möglicherweise noch juvenilen griechischen Pensionisten wohl nicht dauerhaft alimentieren wollen.

In der Praxis wird es daher darauf ankommen, wie sehr sich die maroden Euroländer einer gewissen Disziplinierung unterwerfen. Ist ein Ende des Schreckens nicht absehbar, dürfte es wohl zum Crash in der Eurozone kommen. Wer cash zahlt, ist längst nicht so geduldig wie ein anonymer Bürge.****

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