"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gier kennt keine Grenzen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.03.2011

Wien (OTS) - Sozialfälle sind sie alle nicht: Jene Politiker, Manager und "Netzwerker", die jetzt unter Verdacht stehen, ihre Funktionen schamlos zur persönlichen Bereicherung genutzt zu haben, hätten auch von ihrem legalen Haupteinkommen allein gut leben können.

Warum sie trotzdem ins Visier der Justiz geraten sind - diese Formulierung trägt der Tatsache Rechnung, dass bis zu einer gerichtlichen Verurteilung die Unschuldsvermutung zu gelten hat - ist leicht erklärt: Die geborgte Macht korrumpiert gleichermaßen Politiker wie Manager.

Der mitunter leider erfolgreiche Versuch, mit eloquenten Schaumschlägern oder charismatischen Wahlkampflokomotiven auf Stimmenfang zu gehen, vergrößert die Gefahr. Politiker dieses Zuschnitts glauben oft, sich auch im persönlichen Bereich alles leisten zu können. Die Spanne reicht von Millionenaufträgen für Freunde bis zum Missbrauch von Behindertenausweisen. Dass sich solche Politiker meist für sakrosankt halten, lässt sie zum Glück so überheblich werden, dass sie dabei auf die Nase fallen.

Ähnliches passiert im Bereich von Spitzenmanagern: Wenn nur noch Quartalsgewinne zählen, ist die Versuchung groß, sich direkt über das Kassieren von Bestechungsgeldern für Auftragserteilungen oder auf dem Umweg über Prämien und Bonuszahlungen zu bereichern. Die Finanzkrise hat dafür zahlreiche Beispiele geliefert.

So wichtig es ist, in Politik und Wirtschaft für mehr Sauberkeit zu sorgen, gilt es doch zugleich, Augenmaß zu bewahren. Erstens ist die weitaus überwiegende Mehrheit der Politiker und Manager nicht korrupt. Zweitens ist es für Politiker völlig legitim, Interessen zu vertreten - allerdings in voller Transparenz jene der jeweils vertretenen Wählerschicht und nicht hinterrücks jene von möglichst zahlungskräftigen und zahlungsbereiten Lobbyisten.

In Österreich kommt ein Punkt hinzu: Hier gilt es als anrüchig, wenn Politiker in die Wirtschaft wechseln und umgekehrt. Da ist von Freunderlwirtschaft und Protektion die Rede - mit dem Ergebnis, dass tüchtige Manager oder Unternehmer nicht in die Politik gehen und Abgeordnete oder Regierungsmitglieder sich am Ende ihrer politischen Karriere nur durch Ausnützen ihrer Kontakte finanziell über Wasser halten können. Im Interesse einer korrekten und nachhaltigen Politik wäre es sinnvoller, die Durchlässigkeit zu fördern und zugleich für Transparenz zu sorgen.

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