"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "ORF: Politik pervers"

Im ORF regieren die Parteien - die SPÖ ist stärker, die ÖVP will schlauer sein.

Wien (OTS) - Die ÖVP hat bei Personalentscheidungen zuletzt kräftig danebengegriffen. Vielleicht sucht man deshalb den neuen ORF-Chef im Kreis der Sozialdemokraten. So soll Gerhard Zeiler, einstmals SPÖ-Kanzlersekretär, und auch als RTL-Chef eifriger roter Wahlkämpfer, als schwarze Geheimwaffe zum ORF zurückgeholt werden. Das kann nur Partei-Logik haben, also unlogisch sein.
Die klugen ÖVP-Strategen glauben, dass sie mit dem roten Zeiler den roten Wrabetz vertreiben können. Witzig gedacht. Nur sollte eine Partei, die sich noch immer als christlich und sozial bezeichnet, einmal schauen, was RTL so den ganzen Tag sendet. Das böse Wort vom "Unterschichtfernsehen" trifft es nicht einmal. Es werden einfach täglich Menschen vorgeführt, denen es im Leben nicht so gut geht und die sich nicht wehren können. Und im ORF erinnert die Programmplanung noch immer an Zeiler: Qualitätssendungen kommen seither überwiegend spät in der Nacht.
Es ist sonderbar genug, dass der ORF vom Kaufmann Wrabetz geführt wird und ein Journalist für die Zahlen zuständig ist. Richard Grasl hat wenigstens eingesehen, dass der ORF den Privaten immer ähnlicher wird. Er formuliert es nur etwas diplomatischer (siehe Seite 31).

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