"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Einfach widerlich"

Einsicht? Bedauern? Nicht bei Leuten von Ernst Strassers Schlag.

Wien (OTS) - In Österreich gibt es keine Rücktrittskultur. Hier gilt: aussitzen statt abtreten. Auch Ernst Strasser wollte, gemäß diesem Motto, in der Politik bleiben. Selbst als mittels Video belegt war, dass er versprach, gegen Bares EU-Gesetze zu beeinflussen, hatte er nicht vor, das EU-Parlament zu verlassen. Und so schmiss ihn ÖVP-Chef Josef Pröll raus, um die Partei nicht noch mehr zu schädigen. Sein letzter Auftrag an Strasser: Sich bei all jenen zu entschuldigen, "die ihm bisher das Vertrauen geschenkt haben". Strasser zeigt nicht nur Pröll, sondern auch allen anderen, die ihm vertraut haben, den Stinkefinger. Statt eines "mea culpa" kommt ein Lamento: Er gehe nicht, weil er schuldig sei, sondern weil gegen ihn kampagnisiert werde. Ähnliches gab der Nationalratsabgeordnete Norbert Kapeller von sich, als er auf Druck der oberösterreichischen ÖVP wegen der Behindertenparkplatz-Affäre abdankte: Er gehe wegen der "Menschenjagd".
Einsicht, Zerknirschtheit, Bedauern? Nicht bei Strasser & Co; da ist Täter-Opfer-Umkehr angesagt. Das ist genauso widerlich wie das, was diese Herren gemacht haben.
Ihr Tun haben sie wortreich zu rechtfertigen versucht; beim Abgang hätten sie zumindest schweigen sollen.

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