Generika gewinnen am heimischen Arzneimittelmarkt zunehmend an Bedeutung

Fast 90 Prozent aller im vergangenen Jahr neu zugelassenen Arzneimittel in Österreich sind Nachfolgepräparate

Wien (OTS) - Der verstärkte Einsatz von Generika in der Alltagsversorgung der PatientInnen bietet für die soziale Krankenversicherung ein beträchtliches Kostendämpfungspotential. Generika ermöglichen es, auf bewährte Wirkstoffe zu vergleichsweise günstigen Preisen zurückzugreifen, sie sind daher ein wichtiges Instrument zur Effizienzoptimierung. Dr. Christoph Klein, stv. Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: "Die auf diese Weise eingesparten finanziellen Ressourcen ermöglichen es, dass der Zugang zu teuren Spezialpräparaten - wie etwa Orphan Drugs, innovative Krebsmedikamente oder Biologicals - weiterhin ohne systemsprengende Konsequenzen leistbar bleibt. Soll die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems langfristig sichergestellt werden, ist die Generikaförderung im Versorgungsalltag konsequent zu berücksichtigen". Für die soziale Krankenversicherung wird die Herausforderung der nächsten Jahre darin bestehen, die Balance zwischen therapeutischen Innovationen und Bezahlbarkeit zu halten. Der demographische Wandel bedingt einen Anstieg bei Leiden des höheren Alters. Für die Behandlung dieser Erkrankungen werden Medikamente benötigt. Um diese Zukunftsaufgabe zu lösen, ist es unverzichtbar, die vorhandenen Mittel überlegt einzusetzen.
Die niedergelassenen VertragsärztInnen bekennen sich zur Kostenreduktionsmöglichkeit durch Generika. Lag der Anteil der preisgünstigeren Nachfolgeprodukte an den Verschreibungen auf Rechnung der sozialen Krankenversicherungsträger im Jahr 2003 noch bei bescheidenen 27,5 Prozent, ist dieser Anteil im vergangenen Jahr auf mittlerweile 46,5 Prozent gestiegen.
Trotz der Tatsache steigender Verschreibungen führt der Einsatz von Generika mitunter zu Verunsicherungen bei PatientInnen und VerschreiberInnen. Um dieser Verunsicherung zu begegnen, veranstalten das Bundesministerium für Gesundheit, AGES PharmMed und der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, morgen, Dienstag, eine gemeinsame Enquete unter dem Motto "Generika:
Wissenschaft oder Werbung - was wirkt wirklich?"

Um Generika ranken sich noch immer eine große Reihe von Mythen. Viele Menschen sind verunsichert und wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. "Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Politik, der Behörden und von Experten, die Bevölkerung mit Informationen zu versorgen, um so Verunsicherungen entgegenzuwirken", betonte Gesundheitsminister Alois Stöger.

Der Arzneimittelmarkt ist international, neue Medikamente werden für einen weltweiten Markt entwickelt. Der Wettbewerb der Länder, solche Niederlassungen "ans Land zu ziehen" oder - in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - zu behalten, ist intensiv. Die Präsenz von Generikafirmen in Österreich ist signifikant, daher hilft die Verschreibung von Generika nicht nur, die Gesundheitskosten in Österreich zu dämpfen, sondern auch österreichische Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Qualitätskriterien für Generika sind EU-weit die gleichen. Behörden, vertreibende Unternehmen wie Großhandel und Apotheken sowie Verschreiber können daher auf die Erfahrungen aus anderen Ländern zugreifen und daraus profitieren. Dass Länder, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation mit besonderen Herausforderungen in der Krankenversorgung konfrontiert sind, einen hohen Generikaanteil bei den Medikamenten haben, ist leicht nachvollziehbar. Besonders bemerkenswert ist aber, dass auch hochentwickelte Länder wie Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Schweden, um nur einige Beispiele zu nennen, einen deutlich höheren Anteil an Generikaverschreibungen haben, als Österreich.
In Österreich gilt wie in allen anderen EU-Ländern der Grundsatz:
Jedes Arzneimittel muss geprüft und zugelassen sein, bevor es auf den Markt kommt. In Österreich werden alle Anträge zur Zulassung von Arzneimitteln seit Jänner 2006 von der AGES PharmMed, der österreichischen Arzneimittelagentur, bearbeitet. Durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) ergeht schließlich auf Empfehlung der GutachterInnen der AGES PharmMed der Bescheid, ob ein Arzneimittel, also auch ein Generikum, die Zulassung für Österreich erhält oder nicht. Univ.-Prof. Dr. Marcus Müllner, Bereichsleiter der AGES PharmMed: "Im Jahr 2010 wurden in Österreich 1.005 Generika zugelassen, das sind 89 Prozent aller in diesem Jahr in Österreich zugelassenen Arzneimittel. Dieser Trend spiegelt sich auch in der EU wider: Mit insgesamt 2.900 Generika-Zulassungen decken diese Zulassungen 80 Prozent aller in der EU zugelassenen Präparate im Jahr 2010".

Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,2 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige). Der Behandlungsanspruch aus der Krankenversicherung wird beim Arzt durch das e-card-System angezeigt: Die e-card als Schlüsselkarte enthält keine medizinischen Daten, ermöglicht dem Arzt aber die Überprüfung des Versicherungsstatus eines Patienten bzw. einer Patientin und die Nutzung weiterer Services. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs.

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