GLOBAL 2000 legt vor: Kriterienkatalog gegen zahnlose AKW-Stresstests

Unabhängige ExpertInnen und Transparenz für die Öffentlichkeit bei Stresstets gefordert - EURATOM jetzt abschaffen

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 legt heute
zu den angekündigten "Stresstests" für die europäischen Atomkraftwerke einen Kriterienkatalog vor. Darin ist aufgelistet, wie die Prüfungen durchgeführt werden müssten, um die bisher gemachten Fehler nicht zu wiederholen. "Entscheidend ist, dass nicht dieselben, die bisher von der absoluten Sicherheit gepredigt haben, sich nun wieder selbst überprüfen. Die Regeln müssen geändert werden:
Einbindung von tatsächlich unabhängigen ExpertInnen und Umweltorganisationen und Transparenz für die Öffentlichkeit sind unumgänglich. Der geschlossene Zirkel von Aufsichtsbehörde, pronuklearen Konsulenten und Betreibern, die mit der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Sicherheitsnachweisen hantieren, muss jetzt aufgebrochen werden", stellt Patricia Lorenz, Anti-Atom-Expertin von GLOBAL 2000 klar.

Auch die technischen Kriterien der Atomreaktoren, die dringend zu überprüfen sind, wurden von GLOBAL 2000 ausgearbeitet: Vollkommen neu zu untersuchen sind demnach die Seismizität der Standorte, die Sicherheit bei Überflutungen und wie die Notkühlanlagen damit fertig werden. Bisher wurden solche Ereignisse als unwahrscheinlich eingestuft und die Häufung mehrerer Ereignisse wurde einfach aus der Sicherheitsanalyse ausgeschlossen. "Auch ist ganz klar zu sagen:
Atomkraftwerke wurden für 30 Jahre ausgelegt, nicht 40 oder gar 60, wie seit einiger Zeit propagiert. Nicht nur die Reaktor-Designs sind veraltet und nicht mehr modernisierbar, auch das Material ist stark belastet und versagt bei schweren Unfällen. Daher sind diese alten AKW sofort zu schließen. Die übrigen AKW sind - sofern sie überhaupt eine unabhängige Überprüfung erfolgreich bestehen - auf den aktuellen Stand der Sicherheit zu bringen. Es ist anzuzweifeln, ob das technisch und ökonomisch machbar ist", so Lorenz.

Kosten kein Argument gegen Atomausstieg

Die Atomstrombetreiber versuchen jetzt auch den alten Mythos vom billigen Atomstrom neu zu beleben: "Fakt ist jedoch, dass ohne massive staatliche Unterstützung kein einziges AKW gebaut würde. Über EURATOM werden vergünstigte Kredite für den Bau vergeben, der Staat übernimmt bereitwillig Haftungen für unkalkulierbare Schäden und kommt auch noch für die hohen Kosten für den radioaktiven Abfall auf, für den es selbst nach Jahrzehnten des Betriebs noch keine Lösung gibt", so Lorenz. Eine Studie des deutschen Umweltbundesamtes zeigt, dass Atomstrom um bis zu 180 Cent pro Kilowattstunde teurer wäre, wenn diese Kosten verursachergerecht zugeordnet würden. "Die wahren Kosten für Atomstrom würde niemand zahlen wollen. Alle Formen erneuerbarer Energie, die wir heute kennen, sind in Wahrheit viel billiger als Atomstrom", sagt Lorenz. "Fest steht, dass jetzt Energiesparen und Energieeffizienz und der Ausbau vor allem von Wind-und Sonnenenergie vorangetrieben werden müssen, wenn wir in eine saubere und sichere Energiezukunft steuern wollen. EURATOM, als ein Vertrag, der eine Hochrisikotechnologie mit Milliardenbeträgen fördert, hat endgültig ausgedient", so Lorenz.
GLOBAL 2000 fordert Bundeskanzler Faymann und die EU-Staatschefs auf, beim kommenden Frühjahrsgipfel am Donnerstag den Beschluss für die Abschaffung des Atomenerigefördervertrags zu fassen. Stattdessen soll ein Vertrag für die Förderung von erneuerbarer Energie aufgesetzt werden.

Link zum Kriterienkatalog:
http://www.global2000.at/site/de/wissen/atom/stresstestkriterien/

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Simonne Baur, Tel: 0699 14 2000 23
Patricia Lorenz, Tel: 0676 446 42 54

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