EPCON 2011: Meistern die Energieunternehmen den Sprung aus der Defensive?

Wien (OTS) - Der österreichischen Energiewirtschaft stehen große Veränderungen unmittelbar bevor. Auf dem Branchenevent EPCON 2011 wurde der Umbruch des Energiesystems offen diskutiert. Das neue Energiezeitalter hat längst begonnen. Gerade die aktuellen Ereignisse in Japan und politischen Unruhen im Nahen Osten zeigen die Wichtigkeit einer raschen Weichenstellung der Energiepolitik in Europa und Österreich.

Keine Königswege im Energiemix der Zukunft

Ein paneuropäisches Energienetz kann nur dann funktionieren, wenn jedes Land seine Assets ausspielt. Im Zentrum von Europa behauptet sich Österreich als Energiedrehscheibe und grüne Batterie. Fossile Energieträger sind aus Sicht des globalen Energieversorgers Schell in unmittelbarer Zukunft nicht zu verdrängen. "Tatsache ist, dass die Mehrheit der Energie auch in Zukunft aus endlichen Energiequellen gespeist wird. Erfahrungen haben gezeigt, bis sich eine neue Energietechnologie auf dem Weltmarkt durchsetzt, braucht es 30 Jahre", erklärt Ing. Friedrich Schalk, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Shell Austria GmbH. Städte und Ballungszentren können treibender Motor für Energieinnovationen sein. Mag. Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin, betont die akute Zeitnot: "Die Abhängigkeit von Öl und Gas ist einfach nicht mehr leistbar. Wir müssen weg von einer Politik, die nur von einem Klimagipfel zum nächsten reicht, hin zu einer Politik des Handelns."

Die Backup-Funktion von Gas ist gerade im Zusammenhang mit dem Ausbau fluktuierender Energiemengen nicht zu unterschätzen. "Gas ist das einzig sichere Medium für den Ausbau von Windkraft", stellt DI Markus Mitteregger, MBA, Generaldirektor der Rohöl Aufsuchungsgemeinschaft (RAG), klar. "Der Ausgleich kann nur über ein entsprechendes Speichersystem passieren."

Kann der österreichische Binnenmarkt mit der Energie Union Schritt halten?

Die Umsetzung des dritten EU-Binnenmarktpakets trifft auf wenig Begeisterung der österreichischen Energielandschaft. Nicht nur national werden die Kompetenzen verlagert. Der Start von Regulierungsagentur ACER mischt die Karten auf europäischer Ebene neu. "ACER ist kein europäischer Regulator. Die Aufgaben sind Stellungnahmen und Empfehlungen abzugeben", gibt DI Walter Boltz, Geschäftsführer der Energie-Control GmbH und Vice Chair der ACER Board of Regulators, zu verstehen. Mit der Aufsichtsfunktion über Entso-E und Entso-G rückt für ACER vor allem der strategische Netzausbau ins Zentrum. Eine rein nationale Sicht in der Energiestrategie führt nicht zum Erfolg. "Europa muss sich behaupten. China strebt unaufhaltsam auf den Markt. Die OPEC-Länder dominieren gemeinsam mit Russland die Rohöl und Gasförderung. Die Strategie der EU muss es sein, neue Quellen zu erschließen", so Dr. Lukas Repa von der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission.

Wer nascht aller am Kuchen der intelligenten Energienetze mit? Die Dynamik und der Umfang der intelligenten Energienetze sind noch schwer abschätzbar. Der Verbraucher wird zum Erzeuger, Geschäftsmodelle müssen neu entwickelt werden und mit der Telekommunikationsbranche tritt ein neuer Player auf den Markt. "Die schnellen Innovationszyklen der IKT prallen auf die trägen Energieversorger. Mit Unternehmen wie Google drängen sich plötzlich neue Dienstleistungen auf. Die Energieversorger sind gefordert innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln", erklärt Christian Reimsbach-Kounatze, Politikanalyst der OECD. Der Kunde muss wie bei der Elektromobilität erst für neue Energiedienstleistungen begeistert werden. Dr. phil. DI Harald Schäffler, Geschäftsführer der EnCT GmbH, Forschungsgruppe Energie & Kommunikationstechnologien, sieht noch enorme Defizite bei der Aufklärungsarbeit und Einführung in die neuen Möglichkeiten.

Die Energiebranche bewegt sich. Isolierte Denkmuster bringen keinen mehr weiter. Energie muss grenzenlos und branchenübergreifend bis zum Smart Consumer gedacht werden. Eine Aufgabe, an die sich andere Branchen bereits gewöhnt haben. Fehlende Marktregeln und technische Standards stellen Hemmnisse dar. Sobald die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen gesetzt hat, wird der Markt um die Smart Grids ins Rollen geraten. Die Fragen nach Verfügbarkeit der Energie, Steuerbarkeit und Energieeffizienz gewinnen an Bedeutung. Der Maßstab für den Erfolg der Smart Grids ist schlussendlich die Erreichung der 20-20-20-Ziele.

Mehr Informationen und das genaue Veranstaltungsprogramm finden Sie unter: www.epcon.at.

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Elisabeth Wiederseder, IIR Österreich GmbH, www.epcon.at
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