Greenpeace: Rascher Atomausstieg statt Beschwichtigungstests

EU-Sonderministerratstreffen muss Ende des Atomzeitalters einläuten

Wien (OTS) - Greenpeace steht den von EU-Energiekommissar Öttinger und Umweltminister Berlakovich propagierten AKW-Stresstests höchst skeptisch gegenüber. Die bisherige intransparente Vorgehensweise von EU-Kommission und AKW-Betreibern lässt auch für die angepriesenen Sicherheitsuntersuchungen nichts Gutes erwarten. Die Umweltschutzorganisation fordert daher im Hinblick auf das heutige EU-Sonderministerratstreffen verpflichtende, transparente und unabhängig kontrollierte Sicherheitsbestimmungen. Diese müssen über die derzeit gängige Praxis bei AKW-Untersuchungen hinausgehen und die tatsächliche Abschaltung von Atomkraftwerken zur Folge haben.

"Die bisherigen Sicherheitsrichtlinien sind Mindeststandards, die sich aus Verhandlungen mit der Atomindustrie ergeben haben und der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit garantieren. Der Vorschlag für AKW-Stresstests ist ein fadenscheiniger Beschwichtigungsversuch, stattdessen muss ein möglichst rascher Atomausstieg eingeleitet werden", fordert Niklas Schinerl, Anti-Atom-Sprecher von Greenpeace. Dass ein solcher Ausstieg machbar und dringend notwendig ist, belegen einerseits Studien, wie jenes Energieszenario für die EU, welches einen Umstieg auf erneuerbare Energien in den nächsten Jahrzehnten deutlich macht. Andererseits sprechen der Zustand und das Gefahrenpotenzial laufender Atomkraftwerke für sich.

Ein schweres Erdbeben wie jenes, das zum katastrophalen Störfall im japanischen AKW Fukushima geführt hat, ist nur einer von vielen möglichen Auslösern für ein Versagen der Stromversorgung im Kühlsystem eines Atomkraftwerks. In den vergangenen Jahren führten Waldbrände, Stürme oder technische Gebrechen zu gefährliche Zwischenfälle in russischen, französischen und schwedischen Atomkraftwerken.

Bei einigen Reaktortypen ist das Risiko besonders hoch: Europäische Atommeiler des russischen Reaktortyps VVER440 wie Mochovce, Bohunice oder Paks, verfügen über keine zusätzlichen Schutzhüllen und wären bei möglichen Terroranschlägen höchst gefährdet. Bei Altreaktoren, wie sie etwa in Deutschland zu finden sind, ist die Gefahr von Abnützungserscheinungen an Stahlverkleidung und Schweißnähten augenscheinlich. Hinzu kommen auf Erdbebenlinien gebaute Atomkraftwerke wie etwa das AKW Krsko in Slowenien, das nur 80 Kilometer von Österreich entfernt liegt. Auch die Standorte der geplanten Reaktoren in Italien liegen in erdbebengefährdetem Gebiet.

"Die Unabhängigkeit von Atomstrom steht vor der Tür, worauf warten wir? Schließen wir so viele Reaktoren wie möglich", appelliert Schinerl an die Teilnehmer des heutigen EU-Sonderministerratstreffen und verweist auf das Greenpeace vorliegende Energieszenario für die EU. Die Studie zeichnet ein klares Bild, was die Möglichkeit eines raschen Endes des Atomzeitalters anbelangt: Ganze 97 Prozent des europäischen Energiebedarfs könnten bis zum Jahr 2050 aus erneuerbaren Energieträgern gespeist werden. Demnach ist es problemlos möglich mehr als die Hälfte der Atomkraftwerke in den kommenden zehn Jahren vom Netz zu nehmen. "Die vielfach beschworene Stromlücke etwa in Deutschland ist ein Mythos, denn diese könnte von erneuerbaren Energien mehr als nur geschlossen werden", so Schinerl abschließend.

Nähere Information zum erwähnten Energieszenario finden Sie unter:
http://www.energyblueprint.info/1150.0.html

Rückfragen & Kontakt:

Niklas Schinerl
Anti-Atom-Sprecher Greenpeace CEE
Tel.: 0043-664-6126704
mailto: niklas.schinerl@greenpeace.at

Melanie Aldrian
Pressesprecherin Greenpeace CEE
Tel.: 0043-664-6126725
melanie.aldrian@greenpeace.at

www.greenpeace.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP0001