100 Jahre Kreisky - "Austro-Keynesianismus hat sich als die bessere Wirtschaftspolitik bewährt"

Blecha, Matznetter und Krainer werfen bei einer Tagung einen Blick zurück auf Kreiskys Wirtschaftspolitik

Wien (OTS/SK) - Aus Anlass des Jubiläums "100 Jahre Bruno
Kreisky" haben der SPÖ-Parlamentsklubs, das Dr. Karl Renner-Institut und der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) am Freitag zur Tagung "Austro-Keynesianismus. Politisch-historische Bilanz und aktuelle Relevanz einer erfolgreichen österreichischen Wirtschaftspolitik" in die Börsensäle Wien geladen. Ziel der ganztägigen Veranstaltung war es, mit Politikern und Experten einen Blick zurück auf die unter dem Begriff "Austro-Keynesianismus" in die Geschichtsbücher eingegangene Wirtschaftspolitik der Ära Kreisky zu werfen. An den hochkarätig besetzten Podien nahmen u.a. PVÖ-Präsident Karl Blecha, Bundesminister a.D. Ferdinand Lacina, SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter und SPÖ-Budgetsprecher Jan Krainer teil.****

Blecha, ehemaliger SPÖ-Zentralsekretär und Parteivorsitzender-Stv. unter Kreisky, fasste zu Beginn der Tagung die wesentlichen Eckpfeiler der wirtschaftspolitischen Strategie des "Austro-Keynesianismus" zusammen: Niedrige Arbeitslosigkeit, niedrige Inflation und hohes Wirtschaftswachstum. Der SPÖ-Alleinregierung sei es gelungen, ein umfangreiches Programm der gesellschaftlichen Veränderung einzuleiten, das zur Stärkung der sozialen Ausgewogenheit und Chancengleichheit geführt hat. "Der Austro-Keynesianismus war ein neues Konzept gegen wirtschaftliche und soziale Destabilisierung", bilanzierte Blecha, der zugleich mit dem "Märchen vom Schuldenkanzler Kreisky" aufräumte.

Österreich sei in den 70er Jahren reicher geworden. Hätte es die jetzigen EU-Maastricht-Kriterien bereits gegeben, hätte sie Österreich in all den 13 Jahren unter Kreisky erfüllt. "Es wurden 400.000 Wohnungen gebaut, 200 Schulen, zahlreiche Spitäler, tausende Kilometer Autobahn und dutzende Tunnel, die von den nachfolgenden Generationen genutzt werden konnten. Die Wirtschaftspolitik unter Kreisky hat das Wachstum überdurchschnittlich gesteigert", betonte Blecha. Dem pflichteten auch der Historiker Oliver Rathkolb und Wirtschaftsforscher Karl Aiginger bei. Mit der Einschränkung, dass zum Teil große Einkommensunterschiede bestehen blieben und es zu keinen strukturellen Veränderungen im Gesundheits- oder Bildungssystem gekommen ist. Dies habe auch damit zu tun gehabt, dass die Wirtschaftspolitik der Kreisky-Jahre eng mit der Sozialpartnerschaft verbunden war.

Matznetter leitete schließlich zu den Perspektiven austro-keynesianistischer Wirtschaftspolitik für die Zukunft über. Das neoliberale Experiment sei "mit Getöse" gescheitert, so der SPÖ-Wirtschaftssprecher. "Die schon totgeschriebene Strategie aus der Zeit des Austro-Keynesianismus wie aktive Konjunkturpolitik, Ausbau sozialer Sicherungssysteme, sozialpartnerschaftliche Lösungen und Steigerung der Massenkaufkraft haben sich im Rückblick als die bessere Wirtschaftspolitik bewährt", sagte Matznetter. In Zukunft könne dies aber nicht mehr national erfolgen. "Wir brauchen eine international mobilisierende Bewegung, die für einen Paradigmenwechsel sorgt. Damit dies erfolgreich sein kann, muss etwa der intensive Kampf für eine europaweite Finanztransaktionssteuer auf weitere Bereiche ausgeweitet werden". Es sei ein schöner Erfolg der österreichischen Sozialdemokratie, den Fokus auf Verteilungsfragen zu lenken. Man müsse über die Strategien der 70er und 80er Jahre hinausgehen und für ein gerechtes Steuersystem und eine gerechte Gesellschaft eintreten. "Chancengleichheit braucht auch Verteilungsgerechtigkeit", so Matznetter.

In seinen Einleitungsworten für den Vortrag des renommierten britischen Keynes-Experten Robert Skidelsky rief SPÖ-Budgetsprecher Jan Krainer dazu auf, das neoliberale Dogma der selbstregulierten Märkte endgültig zu begraben. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hätten gezeigt, dass es notwendig ist, Märkte zu beobachten, zu regulieren, transparent zu machen und gegebenenfalls auch einzugreifen. Die liberalisierten Märkte hätten zu mehr Ungleichheit in der Gesellschaft geführt. "Ungleichheit schwächt die Wirtschaft und die Gesellschaft", so Krainer. Daher sei es auch höchste Zeit, die hohe Steuerbelastung auf Arbeit zu senken und im Gegenzug Steuern auf Vermögen, Dividenden und Spekulation zu erhöhen, so der SPÖ-Budgetsprecher.

An der Tagung nahmen u.a. noch der Wirtschaftsforscher Ewald Walterskirchen, die Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der AK Wien, Silvia Angelo, Otto Penz, Soziologe an der WU Wien, Hildegard Weiss, Institut für Soziologie an der Uni Wien, die Ökonominnen Helene Schuberth und Gudrun Biffl, der Wirtschaftshistoriker Fritz Weber sowie Wirtschaftsforscher Markus Marterbauer teil. (Schluss) pl/up

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