WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unser Leben auf einem Ameisenhaufen - von Wolfgang Unterhuber

Die Wahrheit ist: Das sichere Atomkraftwerk gibt es nicht

Wien (OTS) - Ein Erdbeben - und die ganze Welt(wirtschaft) hält
den Atem an. Jetzt also auch das noch. Neben den ohnedies schon großen Problemen in Nordafrika, die den Ölpreis so rasch steigen lassen, dass man sich Sorgen um den Aufschwung machen muss, das große Unglück in Japan.

Das Land der aufgehenden Sonne wurde sozusagen gleich von drei Katastrophen heimgesucht: Einem Erdbeben, einer Flutwelle und einer atomaren Katastrophe. Es ist die wohl härteste Prüfung, der das Land seit dem letzten Weltkrieg ausgesetzt ist. Ohne angesichts der zig-tausend Todesopfer zynisch sein zu wollen, so darf man sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn eine derartige Katastrophe sich etwa in Indien oder Mexiko ereignen würde. Denn Japan ist immerhin die drittstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Und die Kommentatoren werden nicht müde zu betonen, dass die Japaner durch die ständige Erdbebengefahr besser auf derartige Ereignisse vorbereitet seien als andere Nationen.

In einem Punkt freilich sind auch die Japaner auf dramatische Weise gescheitert: In ihrem Glauben, die Gefahren der atomaren Stromerzeugung beherrschen zu können. In diesem Glauben sind sie ja bekanntlich nicht allein. Die Katastrophe in Japan bringt es nämlich schonungslos an den Tag: Die Menschen sind einfach nicht lernfähig.

Trotz der Katastrophe von Tschernobyl erlebte die Atomenergie in den vergangenen Jahren ein eindrucksvolles Comeback. 443 Atomreaktoren sind weltweit derzeit in Betrieb - die meisten davon in Nordamerika, Europa und Ostasien. Politiker, Energieversorger und Experten versichern immer wieder, dass die Atomkraftwerke weitgehend sicher seien. Das ist natürlich eine Lüge.

Aber wir - die Konsumenten - hören diese Lüge und schalten achselzuckend das Licht ein. Die bittere Wahrheit ist: Das sichere Atomkraftwerk gibt es nicht - jetzt nicht und auch nicht in Zukunft. Die Menschheit sitzt sozusagen auf 443 Atombomben (neben den anderen in den Atomsilos).

Die Katastrophe in Japan offenbart in diesem Zusammenhang noch etwas anderes: Der absolute Glaube an die Technik ist ein Irrglaube. Seit dem Untergang der Titanic ist das an sich auch nicht neu. Wir leben heute jedoch in einem Zeitalter, in dem Smartphones, Tablets und jeder andere Schnickschnack, der unser Leben angeblich besser und sicherer macht, uns die Illusion vermitteln, als seien wir die Könige der Welt. Dabei ist es wie auf einem Ameisenhaufen: Sobald nur ein Blatt darauf fällt, gerät die Welt aus den Fugen.

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