ANSCHOBER: Risikoreaktor Isar1 muss sofort vom Netz!

Massive Kritik an deutschen Altreaktoren - 60.000 demonstrierten gestern gegen Laufzeitverlängerung

Linz (OTS) - Mit einer 45 Kilometer langen Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart haben gestern 60.000 Menschen für die Rücknahme der Laufzeitverlängerung demonstriert. Anschober: "Wir werden unsere Zusammenarbeit mit der deutschen Anti-Atom-Bewegung weiter verstärken, um möglichst rasch ein Abschalten des Risikoreaktors Isar1 zu erreichen. Isar1 ist seit 1977 in Betrieb und sollte nach den bisherigen Plänen Mitte 2011 abgeschalten werden, soll aber nun durch die Laufzeitverlängerung zumindest acht Jahre länger am Netz bleiben. Das ist völlig untragbar, da mehrere Studien ein erhöhtes Risiko durch Isar1 zeigen."

Zuletzt war es ein "Schwachstellenbericht Siedewasserreaktoren Baulinie 69" im Auftrag der Länder Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und der Wiener Umweltanwaltschaft, der von einem Team von zehn österreichischen und deutschen Experten unter Leitung von Prof. Wolfgang Kromp erstellt wurde, die deutschen Altreaktoren Brunsbüttel, Isar1, Krümmel und Philippsburg betrifft und im Oktober 2010 veröffentlicht wurde. Wörtlich heißt es in der Zusammenfassung:
"Die schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden. Das Design des Reaktordruckbehälters erfüllt nicht die Grundbedingungen der Basissicherheit, weder hinsichtlich der Minimierung der Anzahl der Schweißnähte noch hinsichtlich der ausreichenden Prüfbarkeit. Die grundlegende Forderung des Basissicherheitskonzeptes nach einem optimierten RDB-Werkstoff ist nicht erfüllt [...] Es besteht bei schweren Unfällen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine frühe Radionuklidfreisetzung in die Umgebung. Das Brennelemente-Lagerbecken für die hoch-radioaktiven abgebrannten Brennelemente liegt bei der Baulinie 69 im oberen Teil des Reaktorgebäudes außerhalb des Sicherheitsbehälters. Die Gefährdung, die aus dieser Konstruktion bei Erdbeben oder äußeren Einwirkungen resultiert, ist offensichtlich". Anschober: "Bis heute wurde auf diese Alarmstudie von den Behörden nicht ausreichend reagiert. Die Konsequenz muss die sofortige Stilllegung der nur 100km von Oberösterreich liegenden Anlage Isar1 sein. Dazu kommt, dass eine zweite Studie, genannt FLAB DiD II-Studie, die im Auftrag der österreichischen Bundesregierung zu den o.a. Siedewasserreaktoren erstellt wurde und seit Juli 2010 vorliegt, nach wie vor als Verschlusssache gilt."

Dazu Umweltminister Berlakovich in einem Schreiben am 19.Feber 2011 an Umweltlandesrat Rudi Anschober: "Da die sogenannte FLAB DiD II-Studie nach wie vor als Verschlusssache einzustufen ist, kann sie nur an Personen übermittelt werden, die nachweislich einer entsprechenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen wurden. Angesichts des großen Interesses an den Ergebnissen dieser Studie haben wir die Studienautoren jedoch gebeten, eine grundsätzlich zur Veröffentlichung geeignete Zusammenfassung zu erstellen und das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten ersucht, als Koordinator des bilateralen Nuklearinformationsabkommens an die zuständigen deutschen Stellen heranzutreten, um eine Freigabe zur Veröffentlichung dieser Zusammenfassung zu erwirken. Nach langwierigen Konsultationen haben sich die zuständigen deutschen Stellen letztlich entschieden, diese Freigabe zur Veröffentlichung nicht zu erteilen."

Anschober: "Auch das ist völlig untragbar. Die Studie darf nicht nur einigen Experten des Nuklearinformationsabkommens als Verschlussakt vorliegen, sondern muss veröffentlicht werden. Sie wurde mit Steuergeldern erstellt und betrifft elementare Sicherheitsinteressen der Bevölkerung". Kommende Woche wird "der Verschlussakt" Thema im deutschen Bundestag sein, die deutschen Grünen haben dazu eine mündliche Anfrage eingebracht, um in Erfahrung zu bringen, warum die Studie nicht veröffentlicht werden darf.

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