• 10.03.2011, 21:00:12
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 11. März 2011 von Peter Nindler "Müllionen stinken zum Himmel"

Der Steuerzahler brennt für die Skandaldeponie zig Millionen. Die Betreiber verdienten Millionen.

Innsbruck (OTS) - Die Mülldeponie Riederberg bei Wörgl steht für
ein kollektives Versagen in der Tiroler Müllpolitik. Jahrelang wurde
zugeschaut, Kontrolle war bei der 1991 eröffneten Deponie wohl ein
Fremdwort. Als sie 2007 behördlich stillgelegt wurde und später in
Konkurs gehen musste, stand auch das Land Tirol vor einer Pleite.
Denn für die ursprünglich mit 20,4 Millionen Euro bezifferten
Nachsorgekosten fehlte die Besicherung, die auferlegten
Rückstellungen wurden schlichtweg ignoriert. Jetzt müssen die
Steuerzahler in Vorlage treten.
Verdient haben die Tiroler Müllbarone, denn rund 110 Millionen Euro
wurden mit der Mülldeponie in Riederberg umgesetzt. Und bis zu 65
Prozent des deponierten Abfalls karrten die Betreiber aus anderen
Ländern herbei. Nicht nur deshalb hat es dort zum Himmel gestunken.
Obwohl das Land beteuert, die veranschlagten Kosten für die
umweltgerechte Deponieabsicherung im Griff zu haben, die endgültige
Höhe der Aufwendungen lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Einmal mehr mahlen die Mühlen der Justiz in diesem Tiroler
Wirtschaftskrimi sehr langsam. Dreieinhalb Jahre, nachdem die
Staatsanwaltschaft Innsbruck Ermittlungen wegen des Verdachts des
schweren Betrugs und der betrügerischen Krida aufgenommen hat, ist
noch kein Ende absehbar. Offensichtlich ziehen sich die
Gutachterverfahren durch das Dickicht des Müllgeschäfts. Natürlich
ist alles sehr kompliziert und unübersichtlich. Aber Hauptsache, der
Steuerzahler zahlt schnell für ein Mülldebakel, bei dem einige wenige
über Jahre Millionen gescheffelt haben.
Ob das Land je einen Cent von den ehemaligen Betreibern erhält, ist
mehr als fraglich. Denn zu lange ließ sich die Behörde von imaginären
Millionen für die Nachsorge blenden, die weniger wert waren als Müll;
nämlich gar nichts.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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