WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vom Glück und Unglück des Hannes Kartnig - von Michael Vorauer

Einer der "Gscherten" mit Lockerln, Zigarre und Bauch

Wien (OTS) - Es hat halt doch einfach gut getan. So ein bisserl zumindest, so ganz geheim im Inneren zuerst. Aber dann auch nach außen, immer mehr. Da kommt einer und zeigt es denen, und sogar denen in Wien. Gerade denen. Denen, die sonst immer das Geld haben und die Nase vorn (und manchmal auch ziemlich weit oben). Auch im Fußball, und gerade auch im Fußball.

Da kommt einer, einer von den "Gscherten" (wie man die Steirer in Wien auch heute noch immer wieder gerne bezeichnet), obwohl er längere Lockerln am Kopf hat. Und einen Vollbart, und einen Bauch, und Zigarren raucht. Einer, der Gewicht hat und ein Gegengewicht bildet zum grünen "Rekordmeister" oder zu den violetten Sirs aus Favoriten.

Da ist einer, der schnell zum Star wird, zumindest daheim in der Steiermark. Ein Darling der Medien, der "poltert", wie gebetsmühlenartig wiederholt wird. Der immer einen Sager auf Lager hat. Da wird einer zum gern gesehenen Gast auf Society-Events. Da ist einer präsent. Da bewegt einer etwas, da hat einer Erfolg. Da spielt einer mit den Schwarz-Weißen aus Graz in der Champions League. Und spielt sogar mit, ist nicht nur dabei.

Da steht einer im Licht und sonnt sich - und zu ihm stellen sich viele andere: Politiker, Sponsoren, Adabeis. Da wird einem ein Sitz im Landtag angetragen. Da ist einer jetzt auch in Wien gern gesehener Gast, auf Partys, in Talkshows.

Da wird einer noch lauter, kritisiert den reichen Onkel aus Übersee, nimmt ihn später als Trauzeugen - und seine Unterstützung für die Schwarz-Weißen. Da fährt einer Rolls-Royce, hat Haie daheim und viele Bewunderer draußen. Da erscheint die eigene Biografie, und die Frau Landeshauptmann schreibt das Vorwort dazu. Da ist viel, sehr viel Geld in der Kassa des Clubs.

Da läuft es dann plötzlich nicht mehr so gut, am Rasen. Da müssen bessere Spieler her. Aber das Geld ist ja da. Da kauft einer ein, so richtig. Aber die teuren Spieler bringen die Erfolge von einst nicht zurück. Wieder müssen neue her. Auch wenn das Geld längst aus ist.

Der Ruf verpflichtet. Der Erfolg bleibt weiter aus. Dafür kommen Gerüchte hoch. Die eigenen Funktionäre werden renitent. Viele, die sich einst mit ihm sonnten, sind perdu. Da weint einer, und geht. Ist Präsident a.D.

Da steht jetzt einer ab morgen vor Gericht. Da muss sich einer für Vergehen nach dem Finanzstrafgesetz, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Betrug verantworten. Da geht es für einen jetzt um bis zu zehn Jahre Haft.

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