Greenpeace: AKW Neckarwestheim 1 laut Betreiber vor massiven Sicherheitsproblemen

"Zwingend erforderliche Nachrüstung" für grenznahen Schrottmeiler nicht genehmigt

Wien (OTS) - Der Umweltorganisation Greenpeace liegen Dokumente
vor, in denen deutsche AKW-Betreiber massive Zweifel an der Betriebssicherheit des grenznahen Schrottreaktors Neckarwestheim 1 äußern. Zusätzliche Brisanz erhält dieses Dokument durch die im Winter 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke. Die ältesten deutschen Reaktoren wurden in den letzten Jahren nicht mehr nachgerüstet, da sie ohnehin abgeschaltet werden sollten. Die im Winter beschlossene Laufzeitverlängerung führt so nun zu erheblichen Problemen im Sicherheitsbereich, denn auf die Schrottreaktoren kommen nun weitere zehn Jahre im Vollbetrieb zu.

Greenpeace liegt der Nachrüstungsantrag der Betreiber des Altreaktors Neckarwestheim 1 vor, der - obwohl vor mehr als drei Jahren eingebracht - bis heute nicht genehmigt wurde. In diesem Antrag weist das Unternehmen sogar darauf hin, dass die "sofortige Vollziehung der beantragten Änderungsgenehmigung [...] sowohl im öffentlichen, als auch in unserem eigenen Interesse zwingend erforderlich" sei.

"Die Sicherheit der Bevölkerung steht für die Behörden in Deutschland offensichtlich nicht mehr an erster Stelle. Seit der durchgepeitschten Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke ist die deutsche Politik in Sicherheitsfragen von Atomkraftwerken nicht mehr vertrauenswürdig. Jetzt gelten die Profite der Atomindustrie mehr als die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung", erklärt Niklas Schinerl, Anti-Atom-Sprecher von Greenpeace.

Obwohl die Betreiber des deutschen Altreaktors Neckarwestheim 1 die Sicherheitsnachrüstung für das AKW bereits 2007 beantragt haben, wurde diese von der Regierung in Baden-Württemberg bis heute nicht bewilligt. Der Energieversorger hatte diese Verbesserungen der Sicherheitstechnik als "zwingend erforderlich" und zur "sofortigen Vollziehung" eingestuft. Mit dem Verschwinden des Antrags in den Schubladen der Landesregierung, kann EnBW das eigene Atomkraftwerk nicht nachrüsten. Für die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen beantragt die EnBW in ihrem Schreiben vom 5. September 2007 den Sofortvollzug.

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 ist einer der ältesten und unsichersten Reaktoren in Deutschland. Der Altreaktor ist seit 1976 in Betrieb und steht gerade mal zweihundert Kilometer von Österreich entfernt. Greenpeace fordert seit Jahren die sofortige Abschaltung des Reaktors, der nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze geschützt ist, dazu kommen bauartbedingte Sicherheitsmängel. Beim Bau des zweiten Reaktors am Gelände von Neckarwestheim 1 wurden vermehrt Stimmen laut, die den Standort als geologisch ungeeignet eingestuft haben, da durch Gesteinsaufbau und Grundwasserverhältnisse die Gefahr einer Hohlraumbildung unter dem Reaktor befürchtet wurde. Eine Sicherheitsanalyse der Altreaktoren in Deutschland durch die Renneberg Consult UG ergab, dass Alterungseffekte und konzeptionelle Schwächen ihre Betriebssicherheit im Vergleich zu neueren Reaktoren deutlich vermindern. Nachrüstungen können die Sicherheitsnachteile nur begrenzt ausgleichen und vergrößern andererseits das Risiko neuer Fehler, die die Sicherheit erst recht wieder mindern.

Greenpeace fordert den österreichischen Umweltminister Berlakovich nachdrücklich dazu auf, endlich alle möglichen rechtlichen Schritte zu setzen, um die grenznahen deutschen Altreaktoren zu bekämpfen. "Der Umweltminister weiß um die Bedenklichkeit dieser veralteten Reaktoren und die reale Gefährdung der österreichischen Bevölkerung und legt dennoch seine Hände in den Schoß", erklärt Schinerl.

Dokument unter:
www.greenpeace.at/fileadmin/at/dokumente/atom/Antrag_EnBW.pdf

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Niklas Schinerl, Anti-Atom-Sprecher Greenpeace
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