Seniorenbund zum Internat. Frauentag: Auf die älteren Frauen nicht vergessen!

Weder Lebenssituation noch Leistungen der älteren Frauen werden berücksichtigt. Als Zielgruppe werden sie häufig ignoriert.

Wien (OTS) - Anlässlich des morgigen Internationalen Frauentages finden sich seit Wochen diverse Frauenthemen in den Schlagzeilen, dabei würden ältere Frauen geradezu ignoriert, finden LAbg. Ingrid Korosec, Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes und Mag. Gertrude Aubauer, ÖVP-Seniorensprecherin im Nationalrat, beide gewählte Bundesobmann-Stellvertreterinnen von Dr. Andreas Khol im Seniorenbund.

"Frau zu sein alleine reicht schon aus, um in zahlreichen Bereichen benachteiligt zu werden. Wenn man aber auch noch eine ältere Frau ist, verschwinden die spezifischen Anliegen schnell von der politischen Tagesordnung. Daher setzen wir beide uns in unserer täglichen Arbeit im Seniorenbund ganz besonders für diese Bevölkerungsgruppe ein. Und da gibt es noch viel zu tun", so die beiden Seniorenpolitikerinnen.

Unbezahlbare Familienleistungen - Bestrafung durch AVAB-Abschaffung

"Die heute im Pensionsalter befindlichen Frauen hatten zur Zeit ihrer Familienphase keinen Kündigungsschutz und keine Karenzzeit bzw Karenzgeld (lediglich 6 Wochen "Stillurlaub"), viele erhielten anfangs auch keine Familienbeihilfe, von flächendeckender Kinderbetreuung war man meilenweit entfernt und die Kinderbetreuungszeiten werden nicht - wie bei den heute Jungen - als pensionsbegründende Zeit angerechnet. Dennoch haben diese Frauen durchschnittlich mehr Kinder geboren als heute üblich, haben nach der Erziehungsphase oft auf den Wiedereinstieg in den Job verzichtet, weil just zu diesem Zeitpunkt Eltern oder Schwiegereltern pflegebedürftig wurden. Genau diese Frauen sind der größte Pflegedienst des Landes, auch könnten viele junge Frauen nicht im selben Ausmaß berufstätig sein, würde die Oma nicht immer wieder einspringen", erklärt Ingrid Korosec zur Lebenssituation älterer Frauen.

"Als Belohnung für diesen jahrzehntelangen Familieneinsatz wurde den Pensionisten-Familien zu Jahresbeginn die ohnehin geringe Anerkennung von 30,- Euro im Monat in Form des Alleinverdienerabsetzbetrages (AVAB) gestrichen. Zur Zeit läuft zwar eine Klage beim Verfassungsgerichtshof gegen diese ungerechte Streichung, doch die Politik täte gut daran, gar nicht erst dieses Urteil abzuwarten, sondern die Abschaffung des AVAB sofort wieder zurückzunehmen", formuliert Korosec die konkrete Forderung.

Zwangspensionierungen müssen eingestellt werden

"Täglich melden sich Frauen bei uns, die nicht mit 60 in die Pension gezwungen werden wollen. Sie möchten noch ein paar Jahre das beste Einkommen ihres Erwerbslebens lukrieren und möchten dadurch auch ihre spätere Pension erhöhen. Es ist unsere Pflicht, diese Frauen sofort und nachhaltig vor der Zwangspensionierung zu schützen. Zumindest freiwillig sollten Frauen ihr gesetzliches Pensionsantrittsalter verbindlich anheben können", erklärt Aubauer, die sich täglichen Anrufen und Zuschriften von Betroffenen konfrontiert sieht.

"Als ich damals ÖVP-Generalsekretärin war, war ich die erste Frau, die jemals in Österreich eine Partei managte. Da lagen gerade die Verhandlungen mit der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal zur Angleichung der Frauenpensionsalter hinter uns. Während das Ergebnis damals alle Frauen unterstützen konnten, hat sich in der Zwischenzeit herausgestellt, dass die Übergangsregelung bis 2033 viel zu lange dauert - wie auch das EUGH-Urteil bestätigt. Ein früherer Pensionsantritt ist nämlich nicht unbedingt ein Privileg, sondern verschärft die finanzielle Ungleichbehandlung, verkürzt weibliche Karrierechancen und verkürzt damit die späteren Pensionen drastisch -obwohl Frauenpensionen im Durchschnitt schon jetzt deutlich niedriger sind als jene der Männer", so Korosec zu den Hintergründen.

Die beiden Seniorenpolitikerinnen sind sich daher einig: "Es sind dringend Verhandlungen aufzunehmen, wie man das gesetzliche Antrittsalter der Frauen schneller an jenes der Männer heranführen kann. Zusätzlich ist dafür zu sorgen, dass auch älteren Frauen die Kinderbetreuungszeiten als pensionsbegründende Zeiten angerechnet werden können. Auch sie sollten die Chance haben, dadurch eine Eigenpension zu erhalten!"

Änderung der Lebensverdienstkurve - Reform darf nicht länger verschoben werden!

Einig sind sich die beiden Politikerinnen auch in einem weiteren Punkt: "Wir müssen dringend erreichen, dass die Einstiegsgehälter höher sind, der spätere Verlauf der Steigerungen dann flacher. Diese Änderung der Lebensverdienstkurve ist vor allem frauenpolitisch ein wichtiger Ansatzpunkt. Denn ein vernünftiges Einkommen schon vor der Familiengründungsphase hat vor allem für Frauen positive Auswirkungen (höhere Bemessungsgrundlagen für einkommensbezogenes Kindergeld, höhere Werte bei kurzfristiger Teilzeitarbeit nach der Karenz, höhere Beitragswerte für die Anrechnung der Pensionszeiten, etc.). Und wenn ältere Arbeitnehmer dadurch günstiger werden, hat dies auch positive Auswirkungen auf ältere Frauen. Die Beamten- und Frauenministerin darf diese Reform keinen einzigen Tag mehr aufschieben, muss die Verhandlungen sofort beginnen. Wenn nun bald die Pensionierungswellen bei den Beamten beginnen, müssen für die Neueinstellungen schon die neuen Rahmenbedingungen gelten! Und ohne positives Beispiel im öffentlichen Bereich, wird die Wirtschaft nicht folgen können und wollen."

Immer mehr Frauen im Seniorenbund aktiv!

Abschließend berichten die beiden Bundesobmann-Stellvertreterinnen von einer besonders erfreulichen Entwicklung im Seniorenbund: "Früher wollten Frauen nicht gerne die Position der Seniorenbund-Obfrau übernehmen. Sie überließen lieber den Männern den Vortritt, arbeiteten lieber im Hintergrund, waren zu einer Kandidatur nicht bereit. Auch ihre Familienverpflichtungen hielten sie oft von diesem Schritt ab. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Immer mehr Ortsgruppen des Seniorenbundes werden nun von Frauen geleitet. Und dies wiederum ist die Voraussetzung, dass der Aufstieg der Frauen auch in diesen Gremien seinen Weg nehmen kann. Das freut uns beide sehr und wir unterstützen diese Frauen gerne!"

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Österreichischer Seniorenbund, Susanne Kofler,
Tel.: 0650-581-78-82; skofler@seniorenbund.at; www.seniorenbund.at

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