Sind Frauen wirklich zufriedener im Job?

Studie von Accenture: Gefahr, dass sich Frauen mit schlechteren Aufstiegsperspektiven abgefunden haben.

Wien (OTS) - In Österreich sagen deutlich mehr Frauen als Männer, sie seien zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und der Karrierestufe, die sie erreicht haben. Die weltweite Untersuchung des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture anlässlich der 100. Internationalen Frauentages wirft die Frage auf: Sind Frauen tatsächlich zufriedener im Job - oder haben sie sich mit schlechteren Aufstiegsmöglichkeiten abgefunden?

Nur jede vierte Frau will ihre Karriere im laufenden Jahr selbst vorantreiben (28 Prozent), dafür doch jeder zweite Mann (47 Prozent). Laut Befragung fühlen sich 70 Prozent der weiblichen Angestellten wohl mit ihrem Arbeitsplatz, 80 Prozent sind zufrieden mit der Position, die sie in der beruflichen Hierarchie einnehmen (Männer: 60 und 65 Prozent).

Alarmierende Ergebnisse

Alarmierende Ergebnisse, findet Catrin Hinkel. Sie ist Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für den Bereich Human Capital & Diversity: "Offensichtlich haben sich Frauen damit eingerichtet, dass es für sie im Job häufig nicht weitergeht. Viele haben die sogenannte 'gläserne Decke' akzeptiert." Darauf deuten auch folgenden Antworten hin: Nur 30 Prozent der weiblichen Angestellten wollen auf Positionen der obersten Führungsebene vorstoßen, gegenüber 41 Prozent der Männer. Arbeitnehmerinnen sehen außerdem die Schuld für mangelnde Aufstiegschancen oft bei sich selbst, stärker als ihre männlichen Kollegen. Dass sie den nächsten Karriereschritt nicht machen könnten, weil ihnen Fertigkeiten und Wissen fehlten, sagen 28 Prozent der Frauen - aber nur sieben Prozent der Männer.

"Das ist fatal für Unternehmen, denn ihnen stehen damit weniger Kandidaten für Positionen mit anspruchsvollen Aufgaben zur Verfügung", sagt Catrin Hinkel. "ArbeitgeberInnen können daher nicht länger warten, bis ihre weiblichen Angestellten von sich aus den nächsten Karriereschritt machen wollen. Sie sollten mehr Frauen ans kalte Wasser heranführen und aktiv mit Führungsaufgaben betrauen." Vor allem Frauen mit Kindern scheuten oft diesen Sprung ins kalte Wasser, hat Catrin Hinkel beobachtet. "Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland machen es immer noch schwierig, Job und Familie zu vereinbaren. Berufstätige Mütter müssen sich häufig fragile und individuelle Konstrukte aufbauen, mit denen sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Sie befürchten, dass diese durch neue Aufgaben in Frage gestellt werden, und vermeiden daher, etwas daran zu ändern."

Unterstützen könne der Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitsmodellen. Auch bei Männern würden Unternehmen damit punkten: Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem (Work-Life-Balance) hat für Männer offensichtlich eine mindestens ebenso hohe Bedeutung wie für Frauen. 35 Prozent sagen: "Work-Life-Balance ist für mich momentan das Wichtigste im Job". Bei den befragten Frauen sind es 30 Prozent. Eine gesetzliche Frauenquote befürworten 44 Prozent der Arbeitnehmerinnen und 22 Prozent der Männer. In Österreich und der Schweiz sind jeweils nur 26 Prozent der Frauen dafür. Für Catrin Hinkel bedeutet das: "So weit kann es mit der Zufriedenheit im Job und den Perspektiven nicht her sein kann, wenn Frauen in Deutschland einerseits den eigenen Angaben zufolge vergleichbar zufrieden sind, andererseits deutlich stärker eine Quote befürworten."

Internationaler Vergleich

Zufriedenheit mit Position: In Deutschland sind 80 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer zufrieden mit der Position in der beruflichen Hierarchie. Ähnliche Werte in der Schweiz: 86 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer. Anders das Bild in Österreich:
Zufrieden mit ihrer Position sind 64 Prozent der Frauen und sogar 76 Prozent der Männer. Weltweit ist die Zufriedenheit deutlich geringer, aber homogener (Frauen: 55 Prozent, Männer: 57 Prozent).

Karrierepläne: Während in Deutschland 28 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer ihre Karriere vorantreiben wollen, sind es in Österreich 38 Prozent und 50 Prozent, und in der Schweiz 20 Prozent und 54 Prozent. Der Schnitt der 29 Länder, in denen Accenture die Befragung durchgeführt hat, liegt bei 44 Prozent (Frauen) und 45 Prozent (Männer).

Ziel Topmanagementposition: Auf einen Job im Topmanagement haben es 30 Prozent der deutschen Frauen und 41 Prozent der Männer abgesehen. In der Schweiz ist die Tendenz gleich, der Unterschied zwischen den Geschlechtern jedoch deutlich größer (Frauen: 28%, Männer: 44%). In Österreich ist das Verhältnis ausgeglichener (Frauen: 36%, Männer: 40%), weltweit sind die Unterschiede wiederum groß (Frauen: 35%, Männer: 52%).

Selbsteinschätzung: Mangelnde Fähigkeiten für den nächsten Karriereschritt diagnostizieren sich 28 Prozent der Frauen in Deutschland und sieben Prozent der Männer. Deutlich geringer fallen die Unterschiede aus bei dieser Selbsteinschätzung in Österreich (Frauen: 29%, Männer: 23%), der Schweiz (Frauen: 18%, Männer: 23%) und im Schnitt der weltweit Befragten (Frauen: 22%, Männer: 19 %).

Bedeutung der Work-Life-Balance: Für 35 Prozent der Frauen in Deutschland hat die Work-Life-Balance momentan Priorität im Beruf (Männer: 35%). Ähnlich ist die Tendenz in Österreich (Frauen: 40%, Männer: 48%), anders in der Schweiz (Frauen: 48%, Männer: 34%).

Über die Studie:

Reinvent Opportunity: Looking Through a New Lens
In November 2010, Accenture conducted an online survey of 3,400 business executives from medium to large organizations across 29 countries: Argentina, Australia, Austria, Brazil, Canada, China, Denmark, Finland, France, Germany, India, Ireland, Italy, Japan, Malaysia, Mexico, Netherlands, Norway, Philippines, Russia, Singapore, South Africa, South Korea, Spain, Sweden, Switzerland, Turkey, United Kingdom and United States. A minimum of one hundred respondents from each country participated. Respondents were split evenly by gender and were balanced by age and level in their organizations.

Über Accenture:

Accenture ist ein weltweit agierender Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister. Das Unternehmen bringt umfassende Projekterfahrung, fundierte Fähigkeiten über alle Branchen und Unternehmensbereiche hinweg und Wissen aus qualifizierten Analysen der weltweit erfolgreichsten Unternehmen in eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinen Kunden ein. Mit rund 211.000 Mitarbeitern, die für Kunden in über 120 Ländern tätig sind, erwirtschaftete Accenture im vergangenen Fiskaljahr (zum 31. August 2010) einen Nettoumsatz von 21,6 Mrd. US-Dollar. Die Internetadresse lautet www.accenture.at.

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