Scheinheiliger Aufschrei (von Daniela Gross)

Ausgabe 6. März 2011

Klagenfurt (OTS) - Dass Geld nicht stinkt, hat Österreich jahrzehntelang bewiesen. Sehr willkommen waren die Milliarden aus Libyen auf den heimischen Bankkonten. Geprahlt hat man mit den guten Wirtschaftsbeziehungen zum Machtkreis rund um Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi. Ja, Gaddafi hatte das Öl und die Macht. Die Macht, sein Volk ohnmächtig zu halten. Österreich hat es gewusst, hat es geschluckt und still und heimlich die Geldscheine gezählt, die sich dank der libyschen Milliönchen so brav vermehrt haben. Oder hat irgendwer in den letzten Jahren nur den kleinsten Anflug eines Zweifels wegen der libyschen Millionen vernommen? Im Gegenteil. Bei den Wirtschaftsbossen und Politik-Größen war Gaddafis Sohn Saif al-Islam ein gern gesehener Gast - auch in Kärnten ging er ein und aus. Und mit ihm kursierten Bilder, wie der Revolutionsführer seine Landsleute unterdrückt und die Nachrichten, dass er das Geld, das in Österreich liegt, über Jahrzehnte seinem Volk entzogen hat: Dass Österreich jetzt empört aufschreit, ist nicht nur zu spät, es ist auch scheinheilig.

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