Wurm ad Remler: Feminismus mit Fanatismus gleichzusetzen ist politische Unbedarftheit

Ohne feministische Vorkämpferinnen gebe es heute keine weiblichen Politiker

Wien (OTS/SK) - Entsetzt zeigt sich SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm über die heutigen Aussagen von Familienstaatssekretärin Remler, die in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung Feminismus mit Fanatismus gleichsetzt. "Es zeugt von politischer Unbedarftheit und ist gefährliche Geschichtsverdrehung. Ohne feministische Vorkämpferinnen wären Frauen noch heute an Heim und Herd gebunden und Frauen in Führungspositionen und weibliche Politiker wären fromme Wunschträume", so Wurm am Samstag im Gespräch mit dem SPÖ-Pressedienst. ****

"Feminismus mit Fanatismus gleichzusetzen ist ein Schlag ins Gesicht all jener Frauen, die sich für das Recht auf Gleichberechtigung stark gemacht haben, die für ihre Ziele gekämpft und dabei in früheren Zeiten nicht nur ihre Freiheit, sondern sogar Leib und Leben riskiert haben, damit es künftigen Generationen von Frauen - zu denen auch Frau Remler gehört - besser geht", so Wurm. Es sei jenen mutigen, feministischen Vorkämpferinnen zu verdanken, dass der Mann heute nicht mehr von Gesetzes wegen das Recht hat über Frau und Kinder zu bestimmen, dass Frauen arbeiten gehen können, dass Frauen die Möglichkeit haben ihr Leben selbstbestimmt zu leben.

Auch die neue, einkommensabhängige Kindergeldvariante, deren Erfolg Remler im heutigen Ö1-Morgenjournal so euphorisch begrüßt hat, sei ein Erfolg feministischer Vorkämpferinnen. "Der Umsetzung dieser Kindergeldvariante die eine raschere Rückkehr in den Beruf ermöglicht und mehr Väter in Karenz bringt, ist ein jahrzehntelanger Kampf gegen konservative Kräfte vorausgegangen. Frau Remler ruht sich also auf den Lorbeeren jener Feministinnen aus, die sie in ihrem Interview beleidigt und kritisiert", so Wurm.

Als "Verhöhnung aller Frauen" bezeichnet Wurm die Tatsache, dass sich Remler zwar für "Wahlfreiheit" ausspricht, aber gegen die Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen wie z.B. verpflichtende Quoten. "Es ist die Pflicht der Politik die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer. Solange es nicht genügend Kinderbetreuungseinrichtungen gibt und solange leitende Positionen nur mit Männern besetzt sind, die männliche Seilschaften bilden, solange werden Frauen vor verschlossenen Türen stehen und an gläserne Decken stoßen", so Wurm, die die Frage in den Raum stellt, wo Remler eigentlich ihre eigene Rolle sieht. "Eine Familienstaatssekretärin sollte Barrieren, die zwischen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehen, niederreißen und nicht den Stützpfeiler für veraltete Rollenmuster spielen", so Wurm.

Es gibt empirische Daten, die klar zeigen, dass es ohne Quoten nicht gehen wird, betont Wurm. Nach jahrelanger Überzeugungsarbeit hätten nun auch schon Teile der konservativen Kräfte in Österreich und der EU erkannt, dass die Wirtschaft das Potential der Frauen braucht, Freiwilligkeit aber keine Verbesserung gebracht hat. "Mit ihrem Nein zu Quoten stellt sich Remler gegen alle Frauen und stärkt die gläserne Decke", so Wurm. Und weiter: "Ich empfehle der Frau Staatssekretärin Nachhilfe in Geschichte, damit sie künftig keine weiteren verbalen 'Salti Mortali zurück ins letzte Jahrhundert' tätigt, die Arbeit mutiger Frauen in den Schmutz zieht und sich mit derartigen Aussagen bis auf die Knochen blamiert." (Schluss) sv/pl

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