Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. März 2011. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Künstliche Aufregung im Fall Luca"

Die Jugendwohlfahrt tut nur, was ihre Kritiker immer gefordert haben: den Kinderschutz ins Zentrum stellen.

Innsbruck (OTS) - Der Fall Luca entwickelt sich immer mehr zum Trauma für die Jugendwohlfahrt in Tirol; spätestens seit dem Tod des kleinen Cain auch für jene in allen anderen Teilen Österreichs. Die Versäumnisse, die passiert sind, sind irreparabel, und die Politik reagiert nur schleppend auf die Tatsache, dass die verantwortlichen Behörden nach wie vor chronisch unterbesetzt sind. Der Satz des Schwazer Bezirkshauptmanns Karl Mark, wonach mit dem vorhandenen Personalstand lediglich eine Krisenfeuerwehr möglich sei, aber keine - dringend notwendige - prophylaktische Arbeit, besitzt immer noch Gültigkeit. Leider.
Derzeit gerät die Jugendwohlfahrt jedoch vollkommen zu Unrecht ins Visier der Kritik. In Kufstein haben Beamte auf eine anonyme Anzeige und andere Hinweise reagiert, wonach ein Vater seine Tochter gequält haben soll. Das Kind kam in die Innsbrucker Kinderklinik, wo es nun genau untersucht wird. Besondere Brisanz erhält der Fall in erster Linie dadurch, dass der betroffene Vater auch Lucas leiblicher Vater war. Als solcher hatte er die Jugendwohlfahrt nach dem qualvollen Tod des Buben massiv angegriffen. Ihr vorgeworfen, auf zahlreich vorhandene Hinweise nicht oder falsch reagiert zu haben. Jetzt, als selbst Betroffener, sieht er in den Maßnahmen der Behörde eine Schikane, gegen die er gerichtlich vorgehen will.
Die Aufregung ist mehr als künstlich. Die Verantwortlichen in der Bezirkshauptmannschaft Kufstein haben nur getan, was Lucas Vater immer gefordert hat: jeden Hinweis ernst nehmen, jeder Anzeige nachgehen, den Schutz des Kindes über alles stellen. Dagegen kann niemand guten Gewissens einen Einwand erheben. Hätten alle Beteiligten immer so gehandelt, könnten Luca und Cain noch am Leben sein.

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