"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Kopf braucht Köpfe"

Mehr Parlamentssitzungen machen nur mit viel weniger Partei-Soldaten Sinn.

Wien (OTS) - So reden in der Regel nur junge Heißsporne übers Hohe Haus. "Althergebrachte Rituale", "ergrauende Abgeordnete" und "nächtliche Schimpfkanonaden". Auslöser der jüngsten Debatte über den Parlamentarismus war einer seiner zentralen Player, VP-Klubobmann Karlheinz Kopf. Die schonungslose Selbstkritik war ein Volltreffer. Von der Parlamentspräsidentin abwärts gibt es hauptsächlich Applaus. Auf eines könnten sich etwa die Oppositionsabgeordneten mit Kopf sofort verständigen: Einen mit acht Stunden begrenzter Plenartag pro Woche statt unregelmäßiger Marathonsitzungen im Dutzend.
Für den überfälligen Totalumbau ist das nur ein Gerüst. Denn der Parlamentsbetrieb ist zumindest so morsch wie das Gebäude an der Wiener Ringstraße. Nur graue Mäuse eignen sich zu "ergrauenden Abgeordneten", nur frustrierte Parteisoldaten müssen sich in "nächtlichen Schimpfkanonaden" Luft machen.
Der Nationalrat krankt am Mangel von eigenständigen Persönlichkeiten. Ihre Zeit in "endlosen Sitzungen" bringen derzeit 183 weitgehend gesichtslose Frauen und Männer zu. Oder können Sie spontan mehr als ein Dutzend Abgeordnete nennen, die sich als Charakterköpfe oder große Redner einen Namen gemacht haben?

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