"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Ergoogelter Doktor"

Eine überfällige Debatte: Wie eigenständig muss wissenschaftliche Arbeit sein?

Wien (OTS) - Die Plagiatsfälle der jüngsten Vergangenheit haben auch etwas Gutes: Sie rücken die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Ministerin Beatrix Karl schart nun Experten um sich, um eventuelle Lücken im System zu schließen. Schon "Plagiatsjäger" Weber hatte - egal, wie man zu seinen durchaus umstrittenen Methoden steht - positive Folgewirkung. Seit einigen Jahren werden Dissertationen nicht nur durch ein Plagiatsprogramm gejagt (was vier frischgebackene Absolventen der Uni Wien tatsächlich die Doktortitel kostete), es wurde auch eine Agentur für wissenschaftliche Integrität gegründet.
Jetzt geht es um die noch schwierigere Frage, wie viel Originalität so eine Arbeit enthalten muss. Viel zu lange waren Diplomarbeiten und Dissertationen ja vor allem ein Beweis für die Fülle des Gelesenen und per Zitat Reproduzierbaren. Die Kreativität ganz sicher nicht beflügelt hat außerdem die kollektive Jagd der Studenten auf ECTS-Punkte (mit denen die Studienleistung
europaweit bewertet wird). Schon in der Schule haben vernetztes Denken, eigene Ideen einbringen, mit Texten arbeiten leider eher niedrigere Priorität. Eigentlich kein Wunder, dass dann manche glauben, man könne sich den Doktor oder den Diplomingenieur einfach ergoogeln.

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