Brustkrebsvorsorge: Internationale Experten korrigieren Hauptverband

Bedenken gegen vom Hauptverband geplantes Vorsorgeprogramm bestätigt - Ärztekammer drängt auf Verbesserungen

Wien (OTS) - Ein internationales Expertengremium stellt dem von Hauptverband der Sozialversicherungen und Gesundheitsministerium österreichweit geplanten Mammographie-Screening-Programm kein gutes Zeugnis aus. Die renommierten Fachleute waren auf Einladung von Gesundheitsminister Alois Stöger Dienstag in Wien zusammengekommen und legten gleichsam ein "State of the Art" für ein flächendeckendes Mammographie-Screening fest.

Die Experten hielten fest, dass bei dichtem Brustgewebe - in Österreich betrifft das 40 Prozent der Frauen - unverzüglich nach der Röntgenuntersuchung eine Ultraschalluntersuchung stattzufinden habe. Nur dadurch sei sichergestellt, dass auch bösartiges Gewebe erkannt werde. Im Gegensatz dazu plant der Hauptverband keine routinemäßige Ultraschalluntersuchung in Zweifelsfällen. Zunächst soll nur eine Röntgenabklärung stattfinden, der Befund soll der Patientin anschließend über die Post zugesendet werden. Maximal fünf Prozent der Frauen sollen dann nochmals zu einer zusätzlichen Abklärung eingeladen werden, obwohl dies bei 40 Prozent medizinisch erforderlich sei, so die Kritik.

Gegen diese Vorgehensweise liefen die Radiologen und die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) Sturm. Der Bundesobmann Radiologie in der ÖÄK, Franz Frühwald: "Das Programm des Hauptverbandes der Sozialversicherungen ist schwer lückenhaft und medizinisch falsch. Es verunsichert die Frauen, bürdet ihnen unnötige Wege auf. Sie erhalten den Befund per Post und haben keine Gelegenheit, mit einem Arzt über ihn zu sprechen." Frühwald pocht darauf, dass es nun zu einem Screeningprogramm entsprechend den Empfehlungen des internationalen Expertenmeetings vom 1.3.2011 in Wien kommen müsse.

Die ÖÄK tritt darüber hinaus für die Erweiterung der vom Hauptverband geplanten ganz wenigen, insgesamt nur 20 Untersuchungsstellen nach qualitätsgesicherten Kriterien ein, um den Frauen einen komfortablen Zugang zu den Mammographien zu ermöglichen. Dafür seien laut Frühwald von heute 290 Untersuchungsstellen in Österreich wenigstens 200 bestens qualifiziert, was eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung gewährleiste. Im Weiteren sei das Untersuchungsergebnis durch einen Arzt mitzuteilen und nicht, wie im Programm der Krankenkassen vorgesehen, anonym mit großer Zeitverzögerung durch einen Brief.

Die Initiative des Gesundheitsministers, in der Frage der Brustkrebsvorsorge internationale Experten zu befragen, hält man von Seiten der ÖÄK für "richtungsweisend". Man sei jedenfalls erleichtert, denn die Bedenken der Ärztekammer seien international und objektiv bestätigt worden. Man müsse jetzt in Österreich einen Weg gehen, der die Brustkrebssterblichkeit auf ein Minimum senke und den gerechtfertigten Wünschen der Frauen soweit wie möglich entgegen komme. (ms)

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