• 01.03.2011, 18:16:29
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Statistik ist nicht alles" von Eric Frey

(Ausgabe vom 2.3.2011)

Wien (OTS) - Versicherungsmathematisch haben die Unternehmen
recht: Wenn Bevölkerungsgruppen ein statistisch höheres
Schadensrisiko darstellen, dann ist es nur korrekt, ihnen höhere
Prämien zu verrechnen. Solche Risikorechnungen sind die Grundlage des
Assekuranzgeschäfts.

Aber es ist etwas anderes, wenn 18-Jährige mehr Autounfälle
verursachen oder Raucher das Gesundheitssystem stärker belasten, als
wenn alle Frauen schlechtere Konditionen bei den meisten
Lebensversicherungen erhalten, weil sie im Durchschnitt gesünder und
daher länger leben. In einer Zeit, in der die Diskriminierung von
Frauen und Männern an allen Fronten zurückgedrängt wird - ob im
Berufsleben oder bei der Obsorge -, ist für solche
geschlechterspezifischen Pauschaleinstufungen kein Platz.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs entspricht daher nicht nur
dem Zeitgeist, es ist auch rechtsphilosophisch richtig. Nicht jede
statistische Erkenntnis rechtfertigt eine unterschiedliche
Behandlung.

Man muss deshalb auch nicht fürchten, dass Prämien nun pauschal
steigen. Weder Männer noch Frauen werden wegen anders gestalteter
Tarife ihr Verhalten ändern und deshalb mehr Schäden verursachen.
Allerdings sollte das EuGH-Verbot der Geschlechterdiskriminierung
nicht auf andere Bereiche wie Alter und Lebensgewohnheiten ausgedehnt
werden. Denn sonst wird Versicherungen wirklich keine sinnvolle
Risikopolitik mehr möglich sein.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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