WirtschaftsBlatt Leitartikel : Frauen setzen noch aufs falsche Pferd von Isabell Widek

Neugierde an Unbekanntem muss erst geweckt werden

Wien (OTS) - Schlechte Nachrichten sind wir ja gewöhnt. Wenn sich aber hinter einer Hiobsbotschaft doch etwas Positives verbirgt, können wir meist gar nicht damit umgehen.

Versuchen wir es doch einmal: Im Februar stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen leicht an (plus 0,5 Prozent), während die der Männer stark zurückgegangen ist (minus 10,2 Prozent). Die dahinter liegenden Geschichten bieten allerdings Anlass zu Freude. So ist einer davon die Tatsache, dass die männlich dominierte Industrie endlich wieder Aufträge - und damit auch neue Arbeitsplätze - vorweisen kann (siehe auch S. 4). Und gegen eine Erholung der Wirtschaft kann nun wirklich niemand etwas haben.

Was lernen wir aber daraus: Frauen sind selber schuld, wenn sie am Arbeitsmarkt scheitern, da sie schlicht und einfach die falschen Berufe ergreifen. Klingt logisch, ist es aber nicht.
Denn Interesse an einer Tätigkeit zu wecken, obliegt nicht nur dem Individuum allein. Keine Sorge, der demokratische Grundgedanke, sich seinen Beruf selbst wählen zu können, soll hier nicht angekratzt werden. Aber Neugierde an Unbekanntem muss häufig eben erst geweckt werden - und damit muss auch möglichst früh begonnen werden. Nicht umsonst sprechen Experten davon, dass Kinder gerade einmal bis zum zarten Alter von sechs formbar wären.

Aber in einer Gesellschaft, in der es - und das gilt für den städtischen wie auch für den ländlichen Bereich - nach wie vor üblich ist, dass sich Frauen ums Essen und Männer ums Handwerkliche kümmern, kann ein junges Mädchen nur schwer Zugang zu Technik finden. Gefragt sind daher - einmal mehr - entsprechende Rahmenbedingungen von politischer Seite. Kinderkrippen mit hochqualifizierten Betreuerinnen und Betreuern von frühester Jugend an können die Eltern dabei unterstützen, junge Menschen zu bislang wenig gewählten Berufen zu lenken. Wenn so auch noch Müttern wie Vätern die Möglichkeit gegeben ist, selbst einer interessanten Arbeit nachzugehen und dabei Karriere zu machen, schließt sich der Kreis. Kinder lernen bekanntermaßen durch Nachahmung.

Was fehlt, ist das Geld. Nicht, dass es nicht da wäre, es wird nur für Dinge ausgegeben, die offenbar wichtiger sind als die Ausbildung unserer Kinder.
Daher wird es Zeit, dass sich die Wirtschaft zu Wort meldet und die Politik zu Maßnahmen drängt. Nicht nur aus Menschenliebe: Ohne entsprechende Fachkräfte ist der Wirtschaftsstandort Österreich schon bald die Farbe der Tinte nicht mehr wert.

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