• 01.03.2011, 18:15:12
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WirtschaftsBlatt Leitartikel : Frauen setzen noch aufs falsche Pferd von Isabell Widek

Neugierde an Unbekanntem muss erst geweckt werden

Wien (OTS) - Schlechte Nachrichten sind wir ja gewöhnt. Wenn sich
aber hinter einer Hiobsbotschaft doch etwas Positives verbirgt,
können wir meist gar nicht damit umgehen.

Versuchen wir es doch einmal: Im Februar stieg die Arbeitslosigkeit
bei Frauen leicht an (plus 0,5 Prozent), während die der Männer stark
zurückgegangen ist (minus 10,2 Prozent). Die dahinter liegenden
Geschichten bieten allerdings Anlass zu Freude. So ist einer davon
die Tatsache, dass die männlich dominierte Industrie endlich wieder
Aufträge - und damit auch neue Arbeitsplätze - vorweisen kann (siehe
auch S. 4). Und gegen eine Erholung der Wirtschaft kann nun wirklich
niemand etwas haben.

Was lernen wir aber daraus: Frauen sind selber schuld, wenn sie am
Arbeitsmarkt scheitern, da sie schlicht und einfach die falschen
Berufe ergreifen. Klingt logisch, ist es aber nicht.
Denn Interesse an einer Tätigkeit zu wecken, obliegt nicht nur dem
Individuum allein. Keine Sorge, der demokratische Grundgedanke, sich
seinen Beruf selbst wählen zu können, soll hier nicht angekratzt
werden. Aber Neugierde an Unbekanntem muss häufig eben erst geweckt
werden - und damit muss auch möglichst früh begonnen werden. Nicht
umsonst sprechen Experten davon, dass Kinder gerade einmal bis zum
zarten Alter von sechs formbar wären.

Aber in einer Gesellschaft, in der es - und das gilt für den
städtischen wie auch für den ländlichen Bereich - nach wie vor üblich
ist, dass sich Frauen ums Essen und Männer ums Handwerkliche kümmern,
kann ein junges Mädchen nur schwer Zugang zu Technik finden.
Gefragt sind daher - einmal mehr - entsprechende Rahmenbedingungen
von politischer Seite. Kinderkrippen mit hochqualifizierten
Betreuerinnen und Betreuern von frühester Jugend an können die Eltern
dabei unterstützen, junge Menschen zu bislang wenig gewählten Berufen
zu lenken. Wenn so auch noch Müttern wie Vätern die Möglichkeit
gegeben ist, selbst einer interessanten Arbeit nachzugehen und dabei
Karriere zu machen, schließt sich der Kreis. Kinder lernen
bekanntermaßen durch Nachahmung.

Was fehlt, ist das Geld. Nicht, dass es nicht da wäre, es wird nur
für Dinge ausgegeben, die offenbar wichtiger sind als die Ausbildung
unserer Kinder.
Daher wird es Zeit, dass sich die Wirtschaft zu Wort meldet und die
Politik zu Maßnahmen drängt. Nicht nur aus Menschenliebe: Ohne
entsprechende Fachkräfte ist der Wirtschaftsstandort Österreich schon
bald die Farbe der Tinte nicht mehr wert.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:redaktion@wirtschaftsblatt.at

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