Frauenberger präsentierte SORA-Frauenbarometer 2010

"Halbe-Halbe an die Spitze der Agenda"

Wien (OTS) - Klassische Haushaltsarbeit, wie Wäsche waschen, bügeln oder kochen, ist nach wie vor Angelegenheit der Frauen. Und zwar unabhängig davon, ob die Frau erwerbstätig ist oder nicht. Das geht aus dem jüngsten SORA-Frauenbarometer hervor, dessen Ergebnisse Frauenstadträtin Sandra Frauenberger am Dienstag im Mediengespräch des Bürgermeisters präsentierte. "Frauen haben sich sehr viel erkämpft, von echter Gleichstellung kann aber auch 100 Jahre nach dem 1. Internationalen Frauentag keine Rede sein", so die Wiener Frauenpolitikerin angesichts dieser Ergebnisse. "Wir müssen Halbe-Halbe aus der Mottenkiste holen und an die Spitze der Agenda stellen", so Frauenberger. Das Problem sei: "Jeder kennt Halbe-Halbe, aber kaum einer macht es." Die Frauenstadträtin kündigte daher für 2012 ein "Bewusstsein bildendes Halbe-Halbe-Revival" an. ****

Der Umstand, dass Frauen nach wie vor den allergrößten Anteil der unbezahlten Arbeit wie Hausarbeit und Kinderbetreuung verrichten, habe weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. "Denn während sich Frauen um die Familienarbeit kümmern, machen Männer Karriere", so Frauenberger. Die ungerechte Verteilung der Familienarbeit trage mit Schuld an der auseinander klaffenden Lohnschere. "Die Frage, wer zu Hause die Windeln wechselt ist somit keine Privatangelegenheit, sondern hochpolitisch."

Nicht nur die Einkommensschere, sondern auch der verschwindende Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichträten seien bedrückende Zeugnisse der Ungleichstellung von Frauen und Männern. Laut Arbeiterkammer haben nur 4 Prozent der heimischen Top-Unternehmen weibliche Vorstände. "Und auch Aufsichtsräte gibt es scheinbar nur mit Krawatte", so die Wiener Frauenstadträtin. Die Zeit des guten Zuredens müsse nun endlich ein Ende nehmen. "Irgendwann ist Schluss mit lustig" - an einer gesetzlichen Quote, wie sie nun auch von der EU intensiv angedacht werde, führt für die Wiener Frauenstadträtin kein Weg vorbei. Vergangenen Freitag haben SPÖ und Grüne daher im Wiener Gemeinderat einen gemeinsamen Resolutionsantrag eingebracht, mit eine gesetzliche 40%ige Frauenquote für österreichische Aufsichtsräte und Vorstände gefordert wird. "Die Quote hat vielleicht nicht das beste Image, aber sie wirkt", so Frauenberger. Das Umdenken in der ÖVP in dieser Frage sei "ein Geschenk zum 100. Internationalen Frauentag.

SORA-Frauenbarometer zeigt: Frau wäscht, bügelt und kocht

68 Prozent der befragten Frauen, die in Partnerschaft leben, gaben an, die Wäsche meist selbst zu waschen und zu bügeln. 23 Prozent machen diese Arbeit gemeinsam mit ihrem Partner aber nur 3 Prozent (!) der Frauen erklärten, die Wäsche werde meistens von ihrem Partner erledigt. Ähnlich verhält es sich beim Thema Kochen: 56 Prozent gaben an, meistens selbst zu kochen, 34 Prozent kochen gemeinsam, aber nur 8 Prozent der Frauen können diese Arbeit meistens dem Partner überlassen. Vom "Aufräumen und Reinigen der Wohnung" sind nur 2 Prozent der befragten Frauen durch ihre Partner befreit. 43 Prozent der Frauen putzen meistens selbst und weitere 43 Prozent erledigten es gemeinsam mit dem Partner. Relevante Einflussgrößen sind Alter und Bildung: Frauen ohne Matura sind in noch stärkerem Ausmaß alleinverantwortlich für kochen (63 % zu 44 %), aufräumen (46 zu 37 %) und Wäsche waschen (73 zu 50 %) als Frauen mit Matura. Und ältere Frauen fühlen sich tendenziell in noch stärkerem Ausmaß allein zuständig für die Hausarbeit.

Job und Familie - na und?

Ob eine Frau erwerbstätig ist oder nicht, hat nur geringen Einfluss auf die Arbeitsteilung: Der Unterschied zwischen berufstätigen und nicht berufstätigen Frauen ist bei den meisten Tätigkeiten marginal und bewegt sich zwischen 1,5 und 5 Prozent. Eindeutige Veränderungen ergeben sich nur beim Kochen: 52 Prozent der erwerbstätigen, aber 68 Prozent der nicht-erwerbstätigen Frauen sind fürs Kochen meistens allein zuständig.

Kinder sind Müttersache

Auch die vor- und nachmittägliche Kinderbetreuung ist eine Frauendomäne. Für die Betreuung der unter 6-jährigen am Vormittag (Mehrfachnennungen) steht nach der Kinderkrippe bzw. dem Kindergarten (70 %) die Mutter des Kindes mit 35 Prozent an zweiter Stelle und an dritter Stelle die Großmutter mit 12 Prozent. Am Nachmittag werden die Kinder unter 14 Jahren primär von der Mutter betreut (53 %), gefolgt von Nachmittagsbetreuung (24 % Schule, 22 % im Kindergarten). Danach folgt wiederum die Großmutter (19 %).

Der Großteil der befragten Frauen gab an, für den ÄrztInnenbesuch mit Kindern (66 %), die Organisation von Kinderbetreuung im Notfall (58 %) als auch für die Pflege kranker Kinder (56 %) selbst zuständig zu sein. Demgegenüber ist der Prozentsatz an Partnern, die sich für diese Aufgaben allein engagieren, verschwindend gering und liegt zwischen einem Prozent (Pflege eines kranken Kindes) und 3 Prozent (im Notfall Kinderbetreuung organisieren).

Das Kind als Wendepunkt

Wie die Ergebnisse der Befragung nahe legen, ändert die Geburt eines Kindes die partnerschaftliche Aufteilung der Hausarbeit massiv zu ungunsten der Frau. 58 Prozent der Frauen gaben an, dass bis zur Geburt ihres Kindes die Hausarbeit gerecht verteilt gewesen sei. Nur 28 Prozent der Frauen hatten bereits vor den Kindern mehr Arbeit als ihre Partner. In PartnerInnenschaften mit Kindern spricht nur mehr ein gutes Drittel (36 %) von einem gleichberechtigten Haushalt, während die Haushalte, in denen die Frauen mehr Arbeit übernehmen als ihre PartnerInnen um 25 Prozentpunkte auf 53Prozent ansteigen. "Das heißt: Spätestens wenn das erste Kind da ist, schlagen traditionelle Rollenbilder und -verteilungen voll durch - sogar bei Frauen mit emanzipierten Einstellungen", so Frauenberger.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Aufteilung der Erwerbsarbeit: Während 62 Prozent der Frauen aussagen, vor der Geburt gleich viele Stunden erwerbstätig gewesen zu sein wie ihre Partner, gibt dies nur noch ein Drittel der Frauen mit kleinen Kindern an. Die gleich verteilte Erwerbsarbeit nimmt also um rund 30 Prozentpunkte ab und der Anteil jener Frauen, die weniger Stunden erwerbstätig sind als ihre Partnen, steigt von einem Fünftel vor der Geburt auf 52% in der Zeit danach.

Echte Gleichberechtigung nur im Bereich Ausbildung

Teil des Frauenbarometers waren auch Fokusgruppen, in denen über Rollenbilder, Gleichberechtigung und Frauenanliegen gesprochen wurde. Nach mehrheitlicher Ansicht der Frauen besteht volle Gleichberechtigung in Österreich derzeit nur im Bereich Ausbildung. Für alle anderen Bereiche (Erwerbstätigkeit, Hausarbeit, Wiedereinstieg und Vereinbarkeit) sehen Frauen die Gleichberechtigung nur teils-teils gegeben. Am schlechtesten wird die Einkommenssituation bewertet. Hier erkennen die Frauen die größte Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.

Die Daten des SORA-Frauenbarometers beruhen auf Telefoninterviews mit 802 Wienerinnen zwischen 15 und 65 Jahren, die im Oktober und November 2010 geführt wurden. Daneben bietet das Barometer eine Reihe von Fokusgruppen-Ergebnissen (Download unter www.frauen.wien.at ).

Zwt.: Wiener Vorhaben, um die Gleichstellung voran zu treiben

Die Novelle zum Bundesgleichbehandlungsgesetz und die darin vorgesehene Einkommenstransparenz hat die Wiener Frauenstadträtin zum Anlass genommen, um auch in ihrem Einflussbereich für mehr Transparenz zu sorgen. Weil öffentliche Einrichtungen von der neuen gesetzlichen Bestimmung nicht erfasst sind, wird derzeit im Rahmen einer "freiwilligen Selbstverpflichtung" daran gearbeitet, die Gehälter der 65.000 MitarbeiterInnen der Stadt Wien anonymisiert per Berufsfunktion offen zu legen. "Für Transparenz bei den Einkommen zu sorgen, bedeutet Benachteiligungen sichtbar zu machen! Erst wenn wir die Benachteiligungen klar sehen, können wir sie bekämpfen. Daher ist Einkommenstransparenz ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Einkommensgerechtigkeit", unterstreicht die Wiener Frauenstadträtin.

Gleichstellung messen

Um ganz genau zu wissen, wie sich die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in Wien darstellt und entwickelt, plant Frauenberger einen "Wiener Gleichstellungsmonitor". Er soll periodisch erscheinen und die Problemlagen und Benachteiligungen von Frauen in Wien identifizieren. Der Gleichstellungsmonitor soll als Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung von Frauenfördermaßnahmen in Wien dienen.

Noch mehr öffentliche Aufträge an Frauenförderung koppeln

Vor wenigen Monaten ist Wien mit einem Großprojekt an der Schnittstelle von Frauen - und Wirtschaftspolitik gestartet: Die Vergabe von öffentlichen Dienstleistungsaufträgen wurde an die Frauenförderung gekoppelt. Das heißt: Betriebe, die einen Auftrag von der Stadt wollen, müssen sich bereit erklären, in ihrem Unternehmen Frauen fördernde Maßnahmen zu setzen. Pionierin ist dabei die MA 54, das Wiener Pendant zur Bundesbeschaffungsagentur. Ihr obliegt die Vergabe vieler Dienstleistungs- und Produktaufträge des Magistrats (außer im Bau- und Planungsbereich). Frauenberger: "Ich will das Projekt schon sehr bald auf weitere Abteilungen ausdehnen. Damit wollen wir noch mehr Unternehmen auf die Sprünge helfen und sie zur Frauenförderung motivieren. Was bisher eher die rühmliche Ausnahme ist, soll zum Regelfall werden!"

Das Programm zum Internationalen Frauentag

o Offenes Rathaus
Wie jedes Jahr lädt Frauenstadträtin Sandra Frauenberger alle Wienerinnen am 8. März ins Rathaus ("Offenes Rathaus" - 8. März, 15:00 bis 20:00 Uhr, Festsaal, Eintritt frei). Am Programm stehen Information durch über 60 Institutionen, Thementalks, Erzählcafés, Kabarett und Musik. Für kostenlose Kinderbetreuung ist gesorgt.

Ein besonderer Programmpunkt des "Offenen Rathauses" sind heuer die Rathausführungen. Unter dem Titel "Wege der Frauen durchs Rathaus" beleuchten diese Spezialführungen, wie Frauen in die Politik kamen, was sich in den letzten 100 Jahren verändert hat und was heute für und durch Frauen in Wien geschieht. Im Zuge dieser Führungen bietet die Wienbibliothek Einblick in ihre Schätze zur Frauengeschichte . Im Stadtsenatssitzungssaal sind historische Frauentagsplakate zu besichtigen. Von 9. März bis Ende März sind diese Plakate dann im Arkadenhof des Rathauses zu sehen. Das genaue Programm zum Offenen Rathaus gibt es im Internet unter www.frauen.wien.at

o Jubiläumsausstellung
Unter dem Titel "FESTE. KÄMPFE. 100 Jahre Frauentag" läuft von 4. März bis 30. Juni im Volkskundemuseum eine Jubiläumsausstellung. Die Schau ist ein Kooperationsprojekt von Kreisky Archiv, Johanna Dohnal Archiv und dem Österreichischen Museum für Volkskunde. Die Frauenabteilung der Stadt hat diese Schau mitfinanziert. Näheres wird am 3. März in einer Pressekonferenz präsentiert.

o 3) Aufruf zur Demo am 19. März
Am 19. März 1911 demonstrierten 20.000 Frauen für ihre Rechte auf dem Wiener Ring. 100 Jahre später nimmt die Plattform 20000frauen, dieses historische Datum zum Anlass, um für die sofortige Umsetzung offener Frauenforderungen zu demonstrieren! "Als Frauenstadträtin unterstütze ich die Anliegen der überparteilichen Plattform voll und ganz und rufe daher alle Wienerinnen auf, am 19. März mit tausenden anderen Frauen aus allen Bundesländern vom Schwarzenbergplatz Richtung Parlament zu marschieren", so die Wiener Frauenstadträtin (Alle Infos unter www.zwanzigtausendfrauen.at). (Schluss) lac

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Tel.: +43 1 4000 81853
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