"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Lehren aus Libyen"

Demokratische Politiker sollen sich nicht nur um Diktatoren kümmern.

Wien (OTS) - Die europäische Politik steht vor den Umwälzungen in der arabischen Welt ungefähr so, wie der sprichwörtliche Ochse vor dem Scheunentor - völlig ratlos. Jahrzehntelang wurden nur die Potentaten hofiert, von Tunis bis Ägypten. Der britische Premierminister Blair hat Gaddafi abgebusselt, Italiens Berlusconi hat ihm gar die Hand geküsst. Gleichzeitig ist es dem Westen entgangen, dass in diesen Diktaturen eine junge Generation von Intellektuellen herangewachsen ist, die demnächst an der Regierung sein wird.
Da waren Politiker wie der frühere Vizekanzler Erhard Busek geschickter. Als in den 1980er-Jahren noch die ganze Welt auf den ewigen Bestand des Kommunismus in Osteuropa setzte, unterstützte Busek oppositionelle Intellektuelle wie Václav Havel. Der wurde dann tschechischer Staatspräsident.
So gesehen war der Besuch von Außenminister Spindelegger beim chinesischen Künstler Ai Weiwei, über den der KURIER am Sonntag exklusiv berichtet hat, anständig und zugleich geschickt. Natürlich taumelt die Führung in Peking noch nicht, aber der Kontakt zu Regimekritikern stellt sicher, dass diese nicht plötzlich von der Bildfläche verschwinden können. Und auch in China werden sich die Zustände ändern.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0002