Seltene Krankheiten: Zu wenig Einrichtungen in Österreich

Ärztekammer ortet ein "gesundheitspolitisches und medizinisches Manko" - Schulterschluss mit Politik und Krankenkassen gefordert

Wien (OTS) - Die Ärztekammer nimmt den heute, Montag, stattfindenden "Tag der Seltenen Krankheiten" zum Anlass, verstärktes Augenmerk auf entsprechende Forschungsförderungen zu legen. Auch müsse die europaweite Ausbildung und übergreifende ärztliche Zusammenarbeit, nicht zuletzt in Hinblick auf die Wissensvertiefung, forciert werden, so Ärztekammerpräsident Walter Dorner. ****

Nach der in Europa gültigen Definition gilt eine Erkrankung dann als "selten", wenn weniger als einer von 2000 Menschen an einem bestimmten Krankheitsbild leidet. "Seriöse Berechnungen gehen davon aus, dass in der EU in etwa 36 Millionen Menschen von 'Seltenen Krankheiten' betroffen sind", betont der Ärztechef. Zusammen genommen seien diese Krankheiten daher "gar kein so seltenes Phänomen".

Dorner führte dazu aus, dass im Zuge der Gesundheitsdiskussionen und der grundsätzlichen damit verbundenen ökonomischen Probleme oft vergessen werde, dass bei "Seltenen Krankheiten" neben den zumeist finanziell sehr expansiven Therapien auch zu wenige Einrichtungen und zu wenig medizinische Experten zur Behandlung und Betreuung zur Verfügung stünden. Hier gebe es in Anbetracht des damit verbundenen Leidens, von dem oft Kinder besonders betroffen seien, ein "massives gesundheitspolitisches und medizinisches Manko".

Die Tätigkeiten von Selbsthilfegruppen könnten hier die Lücke "zwar ein wenig auffüllen", aber auch ihnen stünden nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Dorner fordert einen Schulterschluss der betroffenen Berufsgruppen mit der Politik, den Krankenkassen und den Ländern: "Da die Erkrankungen meist nicht nur ein Organsysteme betreffen, sind interdisziplinäre Therapieansätze erforderlich, die sich aber nur wenige Therapiezentren leisten können."

In diesem Sinne fordert Dorner, dass "Seltene Krankheiten" explizit auch Eingang in das Dritte EU-Gesundheitsrahmenprogramm finden, das in den Jahren 2014 bis 2020 über die Prioritäten für die medizinische Forschung und Forschungsförderung entscheidet. (hpp)

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