Abtreibung: Arzt und Theologe Lütz für breite Trauma-Forschung

Psychiater und Theologe Manfred Lütz in "Radio Vatikan"-Interview: Forschungsdefizite öffnen Ideologien Tür und Tor

Vatikanstadt, 27.02.11 (KAP) Für eine breite Trauma-Forschung bei Abtreibungen "ohne ideologische Vorurteile" plädiert der deutsche Psychiater, Arzt und Theologe Manfred Lütz. Die Abtreibungsdiskussion kranke an seriöser wissenschaftlicher Forschung, es gebe ein zu geringes Wissen darüber, "welche psychischen Folgen eine Abtreibung für eine Frau hat", betone Lütz in einem Interview mit "Radio Vatikan" am Rande der Jahrestagung der "Päpstlichen Akademie für das Leben", die bis Samstag in Rom stattfand und deren Mitglied er ist. Die bestehenden Forschungsdefizite öffneten extremen Ideologien Tür und Tor, die die Frauen letztlich "entmündigten" und keine Hilfe böten, mahnte Lütz.

Gegenwärtig herrschten dem Mediziner zufolge zwei "Ideologien": Auf der einen Seite jene, die sich für eine Legalisierung der Abtreibung ausspreche und jede "post abortion"-Forschung mit dem Hinweis ablehne, dies beeinflusse die Frauen in ihrer freien Entscheidung negativ. Es sei gerade diese Seite, die Studien und Publikationen nach Möglichkeit verhindere und damit die Frauen entmündige, da sie den Frauen eine Auskunft darüber unterschlage, welche möglichen psychischen Konsequenzen eine Abtreibung mit sich bringe.

Auf der anderen Seite gebe es aber auch jene, die sich - wie die "Pro Life"-Bewegung - trotz guter Absichten in ein ideologisches Fahrwasser begeben, wenn sie behaupten: "Abtreibung ist etwas Schreckliches, ein Verbrechen, wie das Konzil gesagt hat, also muss es auch böse psychische Folgen haben." Lütz: "Und das ist natürlich letztlich naiv."

Er selbst habe in seiner über 30-jährigen psychiatrischen Praxis Frauen nach Abtreibungen erlebt, die überhaupt keine psychischen Konsequenzen gehabt hätten. "Und ich habe Frauen erlebt, die haben Konsequenzen, die stark an das sogenannte post-abortion-Syndrom erinnern."

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