Brennpunkt Bildgebung: Demenzerkrankungen bald vorhersehbar?

Österreichische Spezialisten im Fokus anlässlich des kommenden Europäischen Radiologenkongresses.

Wien (OTS) - Im Jahr 2009 waren in Österreich circa 95.000
Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen, Experten gehen aber von einer deutlich höheren Zahl um die 200.000 Betroffenen aus. Noch beunruhigender ist allerdings, dass bis 2050 mit einem Anstieg der Betroffenenzahlen auf rund 290.000 Personen gerechnet wird, was mit einer Neuerkrankungsrate von circa 75.000 Patienten pro Jahr einhergehen würde.

Die häufigste Demenzform stellt die Alzheimer-Demenz dar (60-80%), gefolgt von der vaskulären Demenz (10-25%), die in Folge von Durchblutungsstörungen z.B. nach Schlaganfällen vorkommt, und der Demenz nach Lewykörperchen (7-25%), die in Verbindung mit der Parkinsonkrankheit auftritt.
Die Forschung befasst sich derzeit schon mit Methoden, wie man Demenzen schon vor Auftreten der ersten Symptome feststellen kann -hierzu dienen radiologische Verfahren, bei denen die Gehirnsubstanz unter die Lupe genommen wird.

Klare Risikogruppen für Demenzerkrankungen
Laut Professor Dr. Michael Schocke, leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor an der Universitätsklinik für Radiologie in Innsbruck, gibt es eine klare Risikogruppe für Demenzerkrankungen:
"Das Alter stellt den größten Risikofaktor für eine demenzielle Erkrankung dar. Das Risiko an einer Demenz zu erkranken liegt bei der gesunden Bevölkerung über dem 65. Lebensjahr bei etwa 2% pro Jahr. Andere wichtige Faktoren sind beispielsweise kardiovaskuläre Erkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht, schwere Grunderkrankungen wie die Parkinson Erkrankung, sowie Rauchen, Fehlernährung und erhöhter Alkoholkonsum".

Morbus Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz
Morbus Alzheimer unterscheidet sich von anderen Formen der Demenz vor allem dadurch, dass es sich um eine primär neurodegenerative Erkrankung handelt, die mit dem Verfall des Nervensystems einhergeht und nicht sekundär durch das Bestehen anderer Erkrankungen ausgelöst wird.
Alzheimer ist gekennzeichnet durch einen langsamen aber progressiven Verlauf, mit dem kognitive Symptome (wie z.B. einer verminderten Merkfähigkeit und Gedächtnisleistung, einem reduzierten abstrakten Denk- sowie Urteilsvermögen) und Störungen der Sprache, der Konzentration und der Orientierung verbunden sind.

"Ganz typisch für die Demenz des Alzheimer-Typs ist auch eine Abnahme der grauen Hirnsubstanz und eine Ablagerung von Beta-Amyloid- und Tau-Proteinen im Gehirn, welches mittels radiologischen Untersuchungen nachgewiesen werden kann", erklärt der Radiologe. Beta-Amyloid (auch ß-Amyloid), ist ein Protein, das zentrale Funktionen bei der Informationsverarbeitung im Gehirn einnimmt und im normalen Stoffwechsel kontinuierlich erzeugt wird. Ebenso wie beim Tau-Protein ist aber eine Ablagerung des Proteins höchst problematisch, da es in abgelagerter Form eine neurotoxische Wirkung hat.

Mittels radiologischer Methoden kann Demenz prognostiziert werden Eine sehr gute Basisuntersuchung zur Abklärung von Demenzerkrankungen ist die Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Bei der sogenannten "Voxel-basierten Morphometrie (VBM)" werden dreidimensionale MR-Bilder des Gehirns auf eine einheitliche Größe gebracht und dann auf die Verteilung von grauer und weißer Gehirnsubstanz untersucht. Der Vorteil dieser Methode ist es, dass große Mengen an Aufnahmen nahezu automatisiert miteinander verglichen werden können. Die VBM ist dadurch in der Lage, spezifische Muster zu erkennen, die auf eine bevorstehende Demenzerkrankung hindeuten.

Eine weitere radiologische Untersuchungsmethode bei Demenzerkrankungen ist die sogenannte "Diffusionstensor-Bildgebung", die mittels MRT die Bewegung von Wasserstoffprotonen im Gehirn verfolgt, deren Verhalten auf Grund der komplizierten Architektur der Nervenfasern grundsätzlich eingeschränkt ist. Falls Nervenzellen aber durch neurodegenerative Erkrankungen geschädigt sind, kommt es zu einem charakteristischen Fremdverhalten dieser Protonen. Auch Eisenablagerungen, die mit verschiedenen Formen von Neurodegeneration assoziiert werden, können mit diesem Verfahren nachgewiesen werden.

Vorsorge der Zukunft durch PET?
Intensiv geforscht wird zurzeit an den Möglichkeiten der molekularen Bildgebung, mit Hilfe derer es möglich ist, Ablagerungen von ß-Alymoid im Gehirn festzustellen und ein Demenzrisiko bereits im Vorfeld zu prognostizieren. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass sich mittels PET (Positronen-Emissions-Tomographie), einem radiologischen Verfahren, welches durch radioaktive Marker die Funktionsweise von Organen aufzeigt, die Ablagerungen im Gehirn aufspüren lassen. "Für eine Vorsorge mittels PET-Scan stehen aber in Österreich noch zu wenige Geräte zur Verfügung", so der Experte.

Früherkennung durch MRT in Österreich realistisch
Für eine Alzheimer Vorsorge mittels MRT, die sich an der Ablagerung von Eisen im Gehirn orientiert, sieht Schocke schon in naher Zukunft eine Verwendung im medizinischen Alltag: "Es wird ein Ziel sein, sichere bildgebende Marker zu finden, die einen Verlauf bzw. eine spätere Konversion in einen Alzheimer voraussagen können. Es gibt schon eine recht hohe Dichte von MRT-Geräten in Österreich, mit steigender Tendenz. Die Forschung wird sich in den nächsten Jahren hauptsächlich damit beschäftigen, präklinische Stadien der Alzheimer Erkrankung besser abzuklären".

Ab 3. März tagen in Wien 19.000 Radiologen
Beim 23. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 3. bis 7. März 2011 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 50.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 19.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Detaillierter Bericht und BILDMATERIAL unter www.myesr.org/press

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