"Strittig" allein ist noch kein Maßstab (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 25. Feb. 2011

Klagenfurt (OTS) - Grundsätzlich sind die Bedenken, die Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek gegenüber einer quasi "automatischen" gemeinsamen Obsorge äußert, durchaus nachvollziehbar. Vor allem, wenn man den Rahmen bedenkt, in dem dieser Interessenausgleich stattfinden wird: In einer Gesellschaft, in der Macht noch immer ungerecht zwischen Männern und Frauen verteilt ist. Dennoch sollte das Modell der gemeinsamen Obsorge als klare Zielvorstellung definiert sein, die mit Hilfe von Schlichtungsverfahren angestrebt wird. Ob Scheidungen "strittig" sind oder nicht, eignet sich nicht als Maßstab für die Anerkennung oder Ablehnung einer geteilten Verantwortung. Welche Trennung ist schon nicht strittig? Vielleicht gibt es graduelle Unterschiede, wie erwachsen man mit den Differenzen umgeht. Aber die Existenz von Konfliktpotenzial allein kann nicht als Ausrede dafür herhalten, dass man ein Kind dem Einflussbereich eines Elternteils mit allen Rechten und Pflichten entzieht.

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