"Für uns ist die Scharia Alltag"

Patriarch der Melkitischen Kirche, Gregorios III. Laham: Verhältnis Christen und Muslime "nirgends sehr schwierig"

München, 24.02.11 (KAP) Keine direkte Bedrohung durch eine mögliche künftige Regierungsbeteiligung der Muslimbruderschaft in Ägypten für die Christen im Land sieht der Patriarch der mit Rom unierten Melkitischen Kirche, Gregorios III. Laham. "Wir haben als Christen seit langen Jahrhunderten gelernt, dass wir mit allen Systemen leben", erklärte der Patriarch im Interview mit der Würzburger katholischen Zeitung "Die Tagespost" (Donnerstag-Ausgabe). "Für uns ist die Scharia Alltag", so Gregorios III. Man lebe bereits seit Jahrhunderten damit und wisse, wie man dennoch die Freiheit der Glaubensausübung praktizieren könne.

Generell sei das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in arabischen Staaten "nirgends sehr schwierig, abgesehen vom Irak, denn dort herrscht das Chaos", sagte der Patriarch. Im Irak gehe es "nicht nur um Christen und Muslime, sondern um Sunniten gegen Schiiten, Kurden gegen Araber". Probleme gebe es für die Christen außer im Irak in Ägypten: "Aber im Allgemeinen war die Lage sonst ruhig und für die Christen recht angenehm", hob Greorgios III. hervor.

Religiöse Freiheit "mit Stufen"

In allen arabischen Ländern sei ein gewisses Maß religiöser Freiheit gewährleistet, "aber mit bestimmten Stufen: am besten im Libanon, gefolgt von Syrien, Jordanien, Palästina, Israel, Ägypten". Weiters "weniger in Kuwait, Bahrain, den Emiraten, Oman. Nur nicht in Saudi-Arabien", erklärte der Patriarch der "Tagespost". Im Großteil der Länder gebe es "Glaubensfreiheit, aber nicht Gewissensfreiheit", was die Bekehrung vom Islam zum Christentum einschließen würde.

Im Libanon als religiöses Land und in Syrien als säkularer Staat sei die Religionsfreiheit am besten garantiert. "In Syrien ist der Islam zwar präsent, aber nicht staatlich", erklärte Gregorios III. Auch die seit kurzem im Libanon angetretene Regierung unter Hizbollah-Kontrolle sieht der Patriarch nicht als Bedrohung für die Christen.

Ebenso seien in Jordanien zwar "einige Zeichen der Unruhe" vorhanden, für Christen "gibt es aber keine Gefahr, auch wenn wir wissen, dass der Regierende ein Garant ist". Man setze auf die vorhandene Loyalität, die Geschichte und die Präsenz in Gesellschaft, Politik und Kultur des Landes: "Viele Muslime genießen unsere christlichen Schulen und Hilfen, die sie hier erfahren, das ist eine Stärke für uns", sagte der Patriarch.

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