Brennpunkt Radiologie: Versorgung bei Schlaganfall - jede Minute zählt

Österreichische Spezialisten im Fokus anlässlich des kommenden Europäischen Radiologenkongresses in Wien.

Wien (OTS) - In Österreich erleiden jährlich rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall. Die Mortalitätsrate liegt unter den Betroffenen (innerhalb von 30 Tagen nach stationärer Aufnahme) bei 7%, ein im europäischen Vergleich sehr guter Wert. Von den Überlebenden verbleiben circa zwei Drittel der Patienten mit Beeinträchtigungen in Mobilität, Kommunikation sowie in der Führung eines selbstständigen Lebens, gut ein Drittel der Patienten kehrt aber wieder zu völliger Gesundheit zurück.

Für einen Schlaganfall gibt es eine ganze Reihe an beeinflussbaren Risikofaktoren: So zählen Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Übergewicht und auch das Rauchen zu den Faktoren, denen man aktiv entgegenwirken kann. Männer haben grundsätzlich ein höheres Schlaganfall-Risiko als Frauen und auch mit steigendem Alter kommt es zu einem deutlichen Anstieg des Risikos.

Verschlüsse der Hirnarterien als Hauptursache
Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlichen Nachlassen bzw. kompletten Verlust von Hirnfunktionen, entweder durch eine Gefäß-Verstopfung, oder durch eine Hirnblutung - beides verursacht eine akute Mangelversorgung. Ein Schlaganfall äußert sich in Lähmungen, Gefühlsstörungen oder in schweren Fällen in Bewusstseinsstörungen. Bei der Diagnostik von Schlaganfällen spielen radiologische Verfahren eine entscheidende Rolle, da vor allem die Dauer der weiteren Entscheidungsfindung wichtig ist.

Schnelle Diagnose ist entscheidender Faktor
Dr. Johannes Trenkler, Leiter des Instituts für Radiologie an der oberösterreichischen Landes-Nervenklinik in Linz, nennt vor allem 4 Fragen, die gestellt werden müssen und die für das Überleben des Patienten und möglichst geringe Folgeschäden unabdingbar sind: "Liegt eine Hirnblutung vor? Besteht ein akuter Gefäßverschluss, der behandelt werden könnte? Ist bereits ein Hirninfarkt - also nicht mehr zu rettendes Gewebe - sichtbar? Ist noch zu rettendes Hirngewebe vorhanden?".
Mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann man diese Fragen in kurzer Zeit beantworten. Die Untersuchungsdauer beläuft sich auf maximal 20 Minuten, wobei jene Modalität (CT oder MR) eingesetzt werden sollte, die am schnellsten verfügbar ist.

Therapie ebenfalls radiologisch gesteuert
Auch bei der Therapie von Schlaganfällen kommen radiologische Methoden seit über 20 Jahren standardmäßig zum Einsatz: mittels eines über die Leistenarterie eingebrachten Katheters, der unter angiographischer (Bildgebung der Gefäße) Kontrolle gesteuert wird, können verstopfte Gefäße mit lokal verabreichten Medikamenten wieder geöffnet werden.

"In den letzten Jahren hat sich das Behandlungsspektrum deutlich erweitert, wobei derzeit die mechanische Rekanalisation der verschlossenen Hirnarterien im Vordergrund steht. Hierbei wird das Blutgerinnsel entweder abgesaugt oder mit geeigneten Instrumenten herausgezogen", so der Experte.

Aufgrund der ständigen Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der bildgebenden Diagnostik, insbesondere bei CT und MRT, erhofft man sich zukünftig noch genauere Einblicke in die Abläufe im Gehirn während eines Schlaganfalls - mit dem Ziel einer individuellen und maßgeschneiderten Therapie.

Je schneller, desto besser
Bei der Behandlung eines akuten Schlaganfalls wird zuerst einmal versucht mittels intravenöser Applikation das verstopfende Gerinnsel medikamentös aufzulösen; die besten Ergebnisse werden hierbei erzielt, wenn die Behandlung innerhalb eines Zeitfensters von maximal 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome geschieht.

Bei Verschlüssen von größeren Hirnarterien ist diese Strategie meistens nicht ausreichend, um eine rechtzeitige Öffnung der Gefäße zu erreichen. Es erfordert dann eine interventionelle Therapie, um eine rasche Rekanalisation der betroffenen Engstellen herbeizuführen und so die Überlebens- und Heilungschancen des Patienten zu erhöhen.

Laut Trenkler gilt "für beide Therapieformen allerdings das Prinzip time is brain, also je früher desto besser. Das beginnt schon beim Angehörigen oder dem Hausarzt und setzt sich über die Rettungskette bis in das Notfallmanagement der Klinik fort. Je früher ein Schlaganfallpatient behandelt werden kann, desto günstiger ist der klinische Verlauf".

Bestmögliche Behandlung auf Stroke Units
Die besten Möglichkeiten für eine schnellstmögliche Behandlung und Diagnose findet der Patient auf den sogenannten "Stroke Units" vor, das sind auf Schlaganfälle spezialisierte Behandlungs- und Überwachungs-Stationen. In Österreich sind derzeit 35 solcher Spezialstationen in Betrieb und gewährleisten somit, dass jeder Patient im Falle eines Schlaganfalls innerhalb von 30-40 Minuten in einer Stroke Unit versorgt werden kann.

Ab 3. März tagen in Wien 19.000 Radiologen
Beim 23. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 3. bis 7. März 2011 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 50.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 19.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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