Sozial Global meldet 385 Beschäftigte bei AMS-Frühwarnsystem an

Gewerkschaft vida übt heftige Kritik an der Geschäftsleitung

Wien (OTS) - (vida/ÖGB). Das Wiener Unternehmen Sozial Global hat heute 385 Beschäftigte, großteils teilzeitbeschäftigte Frauen, beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet. Konkret plant das Unternehmen den Beschäftigten Änderungskündigungen vorzulegen -akzeptieren sie die Kürzung ihres Einkommens nicht, werden sie gekündigt. Der Betriebsrat hat Einspruch gegen die Vorgangsweise des Unternehmens, das im Einflussbereich der Wiener SPÖ-Frauen steht, erhoben und wird die Änderungskündigungen so nicht hinnehmen.++++

"Wir sind mit den massiven Einkommenskürzungen und Eingriffen in die Arbeitsverträge nicht einverstanden. Zudem wurde auch die gesetzlich vorgesehene zeitgerechte Informationspflicht an den Betriebsrat verletzt. So kann man mit den Beschäftigten und ihrer Vertretung nicht umgehen", stellt der Wiener Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft vida, Thomas Stöger, klar. Als Frechheit bezeichnet Stöger zudem, dass die MitarbeiterInnen heute bei einer Informationsversammlung durch die Geschäftsleitung nicht über den wahren Sachverhalt informiert wurden. "Dort war von Umstiegsangeboten die Rede, Fragen wurden nicht zugelassen. In Wahrheit geht es aber um beinharte Änderungskündigungen", so Stöger.

Seltsam muten auch die in der heutigen Aussendung angekündigten Mitarbeiterbeiräte an. "Was soll das sein? Die MitarbeiterInnen haben gewählte Betriebsrätinnen und Betriebsräte, die für die Beschäftigten da sind. Einseitig durch die Geschäftsleitung bestimmte Mitarbeiterbeiräte brauchen sie ganz sicher nicht", hält der Gewerkschafter fest.

Zu teuer mit 1.300 Euro netto?

Betroffen von den Änderungskündigungen sind MitarbeiterInnen, die vor 1. Juli 2004 bei Sozial Global begonnen haben, zu einer Zeit, als es den BAGS-Kollektivvertrag, der für die "neueren" Beschäftigten gilt, noch nicht gab. Ihre Arbeitsbedingungen und Entlohnung richten sich deshalb nach einer Betriebsvereinbarung. "Das Durchschnittseinkommen dieser langjährig Beschäftigten liegt im ArbeiterInnenbereich bei rund 1.300 Euro netto - inklusive aller Zulagen und Zuschläge für Erschwernis und Sonntagsarbeit. SchwerverdienerInnen sehen anders aus", sagt vida-Bundesfachgruppensekretärin Michaela Guglberger. "Von den betroffenen MitarbeiterInnen ist jede/r zweite länger als 15 Jahre im Betrieb. So geht man mit langjährig Beschäftigten, die 365 Tage im Jahr im Einsatz sind, um alte und kranke Menschen zu versorgen, nicht um", sagt die Betriebsratsvorsitzende der ArbeiterInnen bei Sozial Global und Landesvorsitzende der vida-Wien, Leopoldine Frühwirth.

Die Benachrichtigung über die Änderungskündigungen für rund die Hälfte der Belegschaft erhielten die BetriebsrätInnen am Donnerstag Abend mitgeteilt und am Freitag, 17. Februar, schriftlich zugestellt. Laut Aussendung von Sozial Global wurde die Anmeldung beim Frühwarnsystem auch bereits dem AMS übermittelt. "Wir sind über dieses Drüberfahren und die Missachtung der rechtzeitigen Informationspflicht gegenüber dem Betriebsrat empört", fügt Leopoldine Frühwirth hinzu.

Heftige Kritik übt der Betriebsrat auch daran, dass die Geschäftsleitung anscheinend an Effizienzsteigerungen durch eine bessere Dienstplangestaltung nicht interessiert ist. "Es geht offenbar nur darum, die Beschäftigten abzuräumen", sagt Frühwirth. Auch bei den neueren, nach dem BAGS-Kollektivvertrag entlohnten Beschäftigten, plant Sozial Global eine Entgeltkürzung, wurde dem Betriebsrat mündlich mitgeteilt. BetriebsrätInnen und Gewerkschaft wollen diese Maßnahmen nicht hinnehmen. "Die Vorstände kamen und gingen, doch das Missmanagement blieb. Statt die Beschäftigten zu schröpfen, müssen endlich die Fehlleistungen des Managements beseitigt werden", hält vida-Wien Landesgeschäftsführer Stöger fest.

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