WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir haben keinen Komplex: Ski ist in unserer DNA - Hans Pleininger

Wer den Hype um das Skifahren begreifen will, muss Österreicher sein

Wien (OTS) - Es ist Ski-Weltmeisterschaft und keiner schaut hin.
Das passiert gerade in Garmisch-Partenkirchen - und gilt für viele Länder, deren Skistars im Werderfelser-Land am Fuße der Zugspitze um die Medaillen kämpfen. Doch das gilt nicht für Österreich: wir sind WM, wir sind Skination. Der Nationalstolz, aus Schnee gebaut, wird uns von anderen so manches Mal als Minderwertigkeitskomplex ausgelegt.
Papperlapapp - die haben keine Ahnung. Skifahren ist in unserer DNA. Das ist sicher. Und alles, was mit Ski zu tun hat, ebenso. Da streiten wir uns schon gerne darüber, wer's erfunden hat. Natürlich war für uns Österreicher der Arlberg die Wiege des Skisports - und nicht Norwegen, das zufällig auch viel Schnee und nebenbei den Telemark erfunden hat.

Ski und Schnee sind heilig in Österreich. Wie heilig, das wird derzeit formatfüllend vom ORF zelebriert: Jeder Schneehaufen hat eine Kameraposition, jeder Atemzug der österreichischen Ski-Helden wird live ausgewalzt. "Wir" haben gewonnen. "Wir" sind in der Medaillenbilanz vorne. Und dieses "Wir-Gefühl" am Ski reicht auch weit in die Wirtschaft hinein.

Doch bei genauer Betrachtung der Ski-Industrie handelt es sich um eine feine, aber im Vergleich zu anderen eher kleinere Branche, die sich auf die wenigen kalten Weltregionen beschränkt. Viele Unternehmen sind größer als die gesamte österreichische Ski-Industrie zusammen. Egal - denn beim Skifahren ist Österreich nicht nur Weltmeister, sondern auch Weltmarktführer. Österreich ist wirtschaftlich ein erfolgreiches Land. Aber so viele bekannte Weltmarktführer mit Markenprofil haben wir halt auch nicht. Und genau das macht den Unterschied aus. Mit der Skibranche wird Österreich wahrgenommen. Die Hälfte der bedeutenden Skifirmen wurde in Österreich gegründet. Atomic ist heute der größte, Head der zweitgrößte Fabrikant, und Fischer ist auch unter den Top Fünf. Einzig die früheren Riesen Kneissl und Kästle gingen der Welt verloren und produzieren verborgen unbedeutende Mengen.

Schaut man genauer hin, ist die österreichische Ski-Industrie, bis auf Fischer, gar nicht mehr österreichisch. Atomic gehört der finnischen Amer. Hinter Head steht der derzeit glücklose schwedisch-englische Investor Johan Eliasch, Blizzard spricht durch die Tecnica-Gruppe Italienisch, und der Eigentümer der insolventen Kneissl Arabisch. Traurig. Aber wahr ist: Erzeugt wird großteils in Österreich. Das zählt - für uns Skifahrer, für unser Ego.

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