Wiener Spitalsärzte arbeiten an der Grenze des Machbaren

Rettungszufahrten in die Notaufnahmen der Spitäler nehmen seit Jahren drastisch zu - Geplanter Personalabbau im KAV erhöht Risiko für Ärzte und Patienten

Wien (OTS) - "Wir sind am Rande des Machbaren und Möglichen. Wenn nicht bald etwas geschieht, können wir nicht mehr für die gewohnte und von den Spitalsärzten geforderte Behandlungsqualität garantieren", schlägt der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien und Obmann der Kurie angestellte Ärzte, Thomas Szekeres, Alarm. Während die Rettungszufahrten der Wiener Rettung, des Arbeiter Samariterbundes und des Roten Kreuzes in den letzten Jahren um fast 50 Prozent gestiegen sind, wurden gleichzeitig die Betten reduziert. Der Personalstand blieb gleich. ****

"Die Schwerpunktkrankenhäuser in Wien haben ein gewisses Kontingent zugewiesen bekommen, wie viele Betten sie pro Tag für Patienten, die mit der Rettung kommen, freihalten müssen. Dieses Kontingent wird jedoch jeden Tag massiv überschritten, manchmal um mehr als das Doppelte", kritisiert Szekeres.

Und die Zahlen würden kontinuierlich steigen. So müsse man etwa im Wilhelminenspital statt der kontingentierten 39 beziehungsweise (an Wochenenden) 33 Betten täglich mindestens 50 bis 60, an manchen Tagen sogar 70 bis 80 Patienten auf der internen Notfallaufnahme versorgen. Hinzu kämen noch die zahlreichen Patienten mit internistischen Erkrankungen, die vom niedergelassenen Bereich zugewiesen werden beziehungsweise selbstständig ins Spital kommen, um sich als Notfall begutachten zu lassen. Für die Ärzteschaft bedeutet dies aufwendige Untersuchungen unter massivem Zeitdruck. Szekeres: "Dies ist nicht nur für das Personal belastend, sondern auch für die Patienten."

Wenn nun die vom KAV angekündigten Personaleinsparungen kommen, dann würden die Spitalsärzte "einem zunehmenden ethischen Dilemma" ausgesetzt. "Es ist unsere Aufgabe und unsere moralische Pflicht, die Patienten nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln", so der Kurienobmann. Wenn es aber organisatorisch nicht mehr machbar sei, dann sollten bei den Verantwortlichen "die Alarmglocken läuten". Zudem müssten die Patienten durch die Zunahme der Rettungszufahrten "mit noch längeren Wartezeiten in den überfüllten Notfallambulanzen als schon derzeit" rechnen.

Immer weniger Ärzte in den Rettungsautos

Warum die Rettungszufahrten in den letzten Jahren so massiv gestiegen sind, erklärt sich Szekeres auch durch den Umstand, dass häufig bei der Rettung keine Ärztinnen und Ärzte mehr mitfahren und Sanitäter nach dem "Load-and-go"-Prinzip einliefern müssen. "So kommt es, dass auch viele Bagatellfälle bei völlig mobilen Patienten bei uns in den Notfallambulanzen landen." Natürlich seien Menschen, wenn es ihnen nicht gut gehe, verunsichert, und der Wunsch nach medizinischer Behandlung sei nur "menschlich", doch würden Rettungsärzte vor Ort behandeln, "dann könnte man dem einen oder anderen Patienten den Weg ins Spital ersparen".

"Wir arbeiten bereits an der Grenze des Machbaren. Kommen jetzt noch Einsparungen beim Personal auf uns zu, dann sehe ich momentan keinen Weg, die bisherigen Leistungen in diesem Umfang noch anbieten zu können", so Szekeres. Die Politik und die Verantwortlichen seien "jetzt gefragt. Es ist schon fünf vor zwölf in Wiens Spitälern". (kmc)

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