Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 21. Februar 2011. Von Beate Troger. "Frauenquote als Ausdruck des Versagens"

An der Frauenquote führt leider kein Weg vorbei, das muss sich nun auch die ÖVP eingestehen.

Innsbruck (OTS) - Die Männerwelt hat drei Viertel aller Vorstandsposten unter sich aufgeteilt und besetzt mehr als 90 Prozent aller Sitze in den österreichischen Aufsichtsräten. Das ist eine Schande, ein Armutszeugnis für eine hoch entwickelte Demokratie mit Sozialpartnerschaft. Ganz zu schweigen davon, dass Frauen für dieselbe Tätigkeit teilzeitbereinigt ein Viertel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Mehr als 40 Jahre nach dem Frauenaufstand der 68er-Revolte ist von Gleichberechtigung in der Wirtschaft noch immer keine Rede. Zwar existieren Gesetze, die Diskriminierung verbieten und Chancengleichheit herstellen sollten -doch angesichts der Zahlen aus der Realität gleichen diese einer Farce.
Politiker und Führungskräfte sprechen sich zwar dafür aus, Frauen auf dem Weg durch die gläserne Decke zu fördern - sobald es aber mit einer Pflichtquote ans Eingemachte geht, kneifen sie. Ihre Worte sind nur wertloser Sprachmüll. Über 40 Jahre lang wurde nun geredet, geändert hat sich in den Vorstandsetagen wenig. In Konzernen heißt es, die Qualifikation der Bewerber sei entscheidend. Dass in technischen Branchen geeignete Frauen fehlen, zeigt, wie langsam Österreich der Gleichberechtigung noch hinterherhumpelt.
Die Frauenquote ist eine unschöne Notlösung und der in ein Gesetz gegossene Ausdruck des Scheiterns. Mit der verpflichtenden Quote gesteht Österreich ein, bei der Frauenförderung versagt zu haben. Das fällt so mancher Partei schwer. Die Quote stellt keine Wunderwaffe dar, sondern nur eine Übergangslösung, bis sich Frauen in Topjobs ganz selbstverständlich etabliert haben. Mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner schwenkt nun ausgerechnet ein Mann aus den ÖVP-Reihen um und trägt den Ruf von SPÖ und Grünen nach der Frauenquote mit. Schwarze Frauen schweigen. Das beweist, wie lichterloh im frauenpolitischen Entwicklungsland Österreich der Hut brennt.

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