Angst vor Wohneigentum

Wien (OTS) - Lebten vor 10 Jahren noch zwei Drittel der Paare in einem gemeinsamen Haushalt so zeigt die letzte aktuelle und repräsentative Trendstudie von Andrea Baidinger, bauen wohnen immobilien Kommunikationsberatung einen signifikanten Rückgang auf. Nur mehr 57% der ÖsterreicherInnen teilen ihre Wohnung mit einem Partner. 30% dieser Paare leben in einer Eigentumsimmobilie. Bemerkenswert ist die Verschiebung des Anteils in den Altersgruppen, das gemeinsame Heim wird heute später erworben, Heirat ist immer weniger ausschlaggebend. Haben sich vor 10 Jahren noch 74% der bis 30-jährigen Paare für Eigentum entschieden, so sind es aktuell nur mehr 61%.

Die Umfrageergebnisse, die in der Studie detailliert aufgeschlüsselt sind, beinhalten wesentliche Informationen für die Immobilienbranche. Immer mehr Paare bevorzugen ein getrenntes Zusammenleben mit jeweils eigenständig, autonom geführten Haushalten. Vor allem beruflich ambitionierte Frauen schätzen ein "living apart together", denn Belastungen im Privatbereich, insbesondere die Auseinandersetzung um die Aufteilung der Haushaltsarbeiten, entfallen.

"Schönreden" hilft nicht, die Menschen suchen sich den Weg der passt

Immer weniger Paare glauben an die Zukunft der Ehe. Formale und rechtliche Bestimmungen verlieren an Bedeutung, beziehungsweise sind nicht an die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre angepasst. "Schönreden hilft nichts. Wenn der Gesetzgeber auf soziologische Entwicklungen nicht eingeht, suchen sich die Menschen einfach einen anderen Weg. Sie lassen sich nicht mehr zwingen", so Baidinger. Für junge Menschen dehnt sich die Jugendphase zeitlich nach oben aus und führt zu instabileren Lebensformen. Das finanzielle Fundament für langfristige Planung fehlt. Baidinger: "Früher hatten junge Leute am Land die Möglichkeit günstig Grund zu erwerben und ein Haus zu bauen. Heute gibt es nur mehr wenig Infrastruktur und damit ist auch das Leben am Land teurer geworden. In den Städten ist leistbarer Wohnraum ohnehin ein sehr knappes Gut."

44 Prozent bereuen gemeinsamen Eigentumserwerb

Etwa die Hälfte der Paare teilen sich die Immobilie im Grundbuch zu 50 Prozent. Im Falle einer Trennung wird zu etwa einem Viertel das Haus oder die Wohnung zum unerfreulichen Streitfall. Haben 2001 auf die Frage "Würden Sie nochmals mit ihrem/einem Partner eine Eigentumsimmobilie erwerben?" 29 Prozent mit "Nein" geantwortet, so würden aktuell bereits 44 Prozent diesen Vorgang nicht mehr wiederholen. "Wir sehen im langjährigen Zyklus die Veränderungen." sagt Baidinger, "Der Rückgang beim Wunsch nach einem Einfamilienhaus, der Trend zu Mietwohnungen - das alles sind seit langem Anzeichen dafür, dass Paare sich immer mehr davor scheuen, sich in eine unflexible und finanziell unüberschaubare Lage zu bringen. Unsere Gesetzgebung basiert gerade bei Scheidungen noch immer auf der Hausfrauen - Ehe."

Immer weniger Paare leben gemeinsam

Teilten bei der Befragung 2001 noch rund 2/3 der ÖsterreicherInnen ihre Wohnung gemeinsam mit ihrem Partner, so gaben bei der zuletzt durchgeführten Erhebung nur mehr etwas mehr als die Hälfte der Befragten an, gemeinsamen in einem Haushalt mit dem Partner zu leben. 30 Prozent dieser Paare bewohnen eine Eigentumsimmobilie. "Die immer kürzer dauernden Lebensgemeinschaften machen Angst vor dem Erwerb einer Eigentumsimmobilie", so Immobilienexpertin Baidinger. "Verständlich, denn in etwa einem Viertel der Trennungen wird das erworbene Wohnobjekt zum Streitfall", erklärt Baidinger. Seit 2001 werden von Baidinger in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durchgeführt, die nun eine verlässliche Gegenüberstellung der Daten ermöglichen und die gesellschaftliche Entwicklung zum Thema Wohnen in Österreich darstellen.

Entscheidung für Wohneigentum fällt später

Ein eklatanter Rückgang um 14 Prozent beim Erwerb einer Eigentumsimmobilie ist bei den bis zu 25-Jährigen Paaren zu verzeichnen. Längere Schul- und Ausbildungszeiten, Zunahme von Zweit-und Drittausbildungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie längere Jobsuche führen zu geringem Einkommen in der Gruppe der Anfang 20er. Laut Statistik Austria verdienten im Jahr 2009 die 21-bis 23-Jährigen jährlich rund 5.000 netto Euro. Ein Teil davon verschiebt sich in die Gruppe der 26-39-Jährigen, bei denen das Einkommen bei rund 20.000 netto Euro pro Jahr liegt. "Auch die Familiengründung passiert Mitte 30. Wohnungen, die dafür projektiert werden, kosten in durchschnittlichen Lagen um die 2.500 bis 3.000 Euro", sagt Baidinger. Auffallend der Trend bei Paaren 40+. Hier ist eine Zunahme des Anteils um acht Prozent zu verzeichnen. "40+ Paare treffen ihre Entscheidung natürlich anders als Junge. Sie sind gebildet, haben bereits Erfahrungen mit der Wohnungssuche sowie dem Übersiedeln und damit ganz konkrete Vorstellungen. "Baumeister, Architekten oder Makler müssen mit dieser Gruppe sehr qualifiziert umgehen, um ein Geschäft zu machen", sieht Baidinger die Situation.

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