WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Renaissance des politischen Risikos - von Michael Laczynksi

Rezept gegen Unwägbarkeiten: Niemals alles auf eine Karte setzen

Wien (OTS) - Das Geschäft mit dem Risiko hat Konjunktur. Spätestens seit dem Sturz Mubaraks in Ägypten ist Managern bewusst geworden, dass politische Rahmenbedingungen nicht in Stein gemeißelt sind. Während also Banken ihr Exposure in Nordafrika kalkulieren (siehe Seite 2), bringen sich Berater wie Control Risks in Stellung. Das britische Unternehmen ist darauf spezialisiert, Unruheherde rund um den Globus frühzeitig zu erkennen - und man kann getrost davon ausgehen, dass ihm ein gutes Geschäftsjahr bevorsteht.

Ist die Welt instabiler geworden? Die Antwort auf diese Frage hängt vom eigenen Standort ab. Aus der westlichen Perspektive betrachtet, waren die vergangenen Jahre in der Tat ein wilder Ritt durchs Tal der Tränen. Mit dem Platzen der Immobilienblase ist auch die Illusion einer Wirtschaft ohne Schattenseiten verflogen; die Schuldenkrise hat allen vor Augen geführt, dass auch entwickelte Staaten pleite gehen können; und welchen Weg die EU nun einschlagen wird, können wir derzeit nur erahnen. Anders sieht die Lage aus dem osteuropäischen Blickwinkel aus. Denn im Vergleich zum Kollaps der Planwirtschaft anno 1989 sind die Probleme, mit denen die EU derzeit zu kämpfen hat, nur Petitessen.

Doch der Flächenbrand in der arabischen Welt, so unbedeutend er in wirtschaftlicher Hinsicht auch sein mag (zumindest bis jetzt), hat uns eine wichtige Erkenntnis beschert: Wer Politik vernachlässigt, tut dies auf eigene Gefahr. Für Investoren gilt es nun, sich von lieb gewonnenen Glaubenssätzen zu verabschieden: Zum Beispiel von der Überzeugung, dass Autokratien nicht stürzen können, nur wenn sie einige Jahrzehnte überdauert haben. Genauso verhielt es sich übrigens auch mit der Finanzkrise. Die meisten Analysten, die sich mit US-Immobilien befasst hatten, waren zu jung, um sich an fallende Häuserpreise zu erinnern - die Folgen dieser Fehlkalkulation sind hinreichend bekannt.

Gegen die Unwägbarkeiten des internationalen Geschäftslebens gibt es glücklicherweise ein erprobtes Hausmittel: Niemals alles auf eine Karte setzen. Auch ist eine gesunde Dosis Skepsis gegenüber allen Experten angebracht, die vorgeben, Risiken zügeln zu können - und zwar auch dann, wenn diese als Autoritäten auf dem Gebiet auftreten.

Nichts demonstriert diese Maxime so gut wie das eingangs erwähnte Unternehmen Control Risks. Wie jedes Jahr stellte der Berater im Dezember seine Risiko-Weltkarte vor, auf der fünf politische Brennpunkte des kommenden Jahres vermerkt wurden.

Weder Tunesien noch Ägypten waren darunter.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001