"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Dumme Zahlenspiele"

Per Kalorienzählen zum Pensionsbescheid? Was für ein Humbug.

Wien (OTS) - Wie sehr muss sich ein Koch plagen, wenn er Schnitzel paniert oder Gurken schält? Diese, vordergründig kulinarisch anmutende Frage, ist nun politisch delikat. Denn nachdem einem Koch eine Schwerarbeitspension verweigert worden ist, zog dieser vor den Obersten Gerichtshof und die Höchstrichter befanden, was Experten seit Jahren wissen, nämlich: Die geltende Schwerarbeitspension ist Humbug.
Bitte nicht falsch verstehen: Wer 45 Jahre brav Pensionsversicherungsbeiträge gezahlt und von den letzten 20 Jahren die Hälfte am Hochofen oder im Bergwerk verbracht hat, verfügt über das moralische Recht, früher in Pension zu gehen als die gern zitierten "Bürohengste".
Das Problem ist nur, dass sich der Gesetzgeber 2006 nicht ausreichend überlegt hat, wie man Schwerarbeit ehrlicherweise definiert. Derzeit werden im Sozialministerium einfach all jene Berufe als Schwerarbeiter gelistet, bei denen ein Mann mindestens 2000 und eine Frau 1400 "Arbeitskalorien" verbraucht. Faktoren wie Lärm, Staub oder giftige Dämpfe lässt man nobel aus. Ein Fehler, der nun hoffentlich behoben wird, denn Kalorienzählen als Pensionsantrittsgrund heranzuziehen, ist ein Schmarrn - und zwar nicht nur bei Köchen.

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