Regner: Private Pensionsvorsorge ebenso streng beurteilen wie öffentliches System

Durchschnittliches Renteneintrittsalter in der EU liegt 2010 bei 61,4 Jahren

Wien (OTS/SK) - Bei der heutigen Abstimmung des Berichts über das Grünbuch mit dem Titel "Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme" im Plenum des Europäischen Parlaments in Straßburg wurde vor allem die Positionierung der drei Pensionssäulen festgeschrieben. "Positiv ist die offene Debatte darüber, wie in Europa für mehr als 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger langfristig das Sozialsystem gesichert werden kann. Zu stark wird die zweite, also die betriebliche, und dritte, die private, Vorsorgesäule betont. Viele Bürger können nicht einmal von ihrem Gehalt leben, wie sollen sie dann privat Vorsorge treffen?", so die SPÖ-Europaabgeordnete Evelyn Regner am Mittwoch gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. "Deshalb muss das umlagefinanzierte Solidarsystem die Basis der europäischen Pensionssysteme sein und gewährleisten, dass die Menschen davon leben können", erläutert Regner weiter. ****

Derzeit beträgt das durchschnittliche Renteneintrittsalter in der EU 61,4 Jahre. Der heute abgestimmte Bericht stellt fest: "2008 kamen vier berufstätige Personen auf einen Rentner. 2020 beträgt dieses Verhältnis fünf zu eins, 2060 dann zwei zu eins." Regner, Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, warnt allerdings vor einer rein demografischen Betrachtungsweise. "Es geht letztlich darum, wie viele Menschen im Erwerbsleben stehen und mit welcher Produktivität sich die Wirtschaft weiterentwickelt", so Regner.

"Wenn argumentiert wird, dass für die erste, die öffentliche, Pensionssäule keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, so muss zugleich ehrlich beantwortet werden, wie die betriebliche und private Vorsorge finanziert werden soll. Dabei dürfen Kosten, etwa für Pflege, nicht einseitig nur der ersten Säule aufgeschlagen werden", ergänzt Regner.

Die öffentlichen Pensionen seien Stabilisator in der Finanzkrise gewesen, die Menschen hätten nichts verloren - im Gegensatz zu den privaten Systemen. Der Ausbau von privaten und betrieblichen Pensionssystemen dürfe - gerade nach der Finanzkrise - nicht unkritisch betrachtet hingenommen werden. Regner betont: "Der Staat ist nicht dazu da, dem privaten Finanzmarkt mit Steuergeldern laufend aus der Patsche zu helfen. Das muss gerade bei der aktuellen Diskussion um die Pensionsvorsorge allen Beteiligten klar sein. Ich erwarte ein Weißbuch von der Kommission, wo dies stärker berücksichtigt wird." (Schluss) bj/mp

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