• 16.02.2011, 12:16:27
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Schultes: Überhitzte Börse-Agrarpreise könnten Landwirtschaft schaden

Ausgleichsmechanismen gegen Schäden aus der Volatilität sind notwendig

St. Pölten (OTS) - Im Rahmen der Agrar-Wintertagung des
Ökosozialen Forums in der Landwirtschaftskammer NÖ forderte
LK-Präsident Hermann Schultes ein Maßnahmenbündel gegen die starken
Preisschwankungen auf den Agrarmärkten, die ein kalkulierbares
Wirtschaften unmöglich machen. "Wenn die Landwirte kein Auffangnetz
haben und ein Risiko tragen sollen, das nicht einmal große
Versicherungen zu realistischen Prämien übernehmen können, werden sie
aufhören Landwirte zu sein", stellte Schultes fest.

"Selten sind die Bauern die großen Gewinner bei spekulativen
Preisanstiegen, meist bleiben ihnen nur die gestiegenen Kosten in der
Kalkulation. Wir würden steigende Preise brauchen, damit wir nach dem
schlechten Vorjahr die Einkommensausfälle ausgleichen können. Die
gestiegenen Börsepreise sind eine Momentaufnahme für Börsengeschäfte,
die ohne die Bauern stattfinden. Die Betriebsmittelpreise für die
bevorstehende Produktion in diesem Jahr steigen aber real und werden
von jedem Bauern zu zahlen sein", führte Schultes aus.

Nach den Erhebungen der Landwirtschaftskammer NÖ sind die Preise
für Düngemittel um mehr als 50% gestiegen. Beispielsweise müssen auch
Mastschweinehalter alleine durch die höheren Futtermittelpreise
Mehrkosten von EUR 20,- pro verkauftem Schwein verkraften und für
Milchviehhalter verteuert sich die Produktion um 2,5 Cent pro
verkauftem Kilogramm Milch.

"Diese Mehrkosten müssen durch die Preise für die Produktion des
kommenden Jahres kompensiert werden, bevor es zur dringend
notwendigen Einkommensverbesserung kommen kann. Eine Erhöhung der
Milchauszahlungspreise ist genauso erforderlich wie eine rasche
Verbesserung der Schweinepreise für Ferkel und Mastschweine", fordert
der Präsident. Schultes weist darauf hin, dass die schwankenden
Preise mehr Problem als Lösung seien. "Erfahrungsgemäß sinken die
Betriebsmittelpreise nämlich in der Folge nicht beziehungsweise
bleiben auf hohem Niveau, wenn die Agrarmärkte wieder
darniederliegen", so Schultes.

Hohe Spitzenpreise helfen den Bauern wenig, werden aber von den
Handelsketten genutzt, um Konsumentenpreise durchzusetzen, die auch
nach einer Spekulationsblase für Gewinne der großen Vermarkter
sorgen.

Konsumenten und Landwirte brauchen daher einerseits
Ausgleichsmechanismen gegen die Volatilität der Agrarmärkte, die auf
EU-Ebene funktionieren müssen. Bewährt sind Interventionslager, die
bei tiefen Preisen in Überschussjahren angelegt und geöffnet werden,
wenn die Spekulanten wieder ihr Spiel beginnen wollen. Die
Wirksamkeit der öffentlichen Vorratshaltung ist unbestritten.

"Für Landwirte wäre bei stark schwankenden Preisen ein
mehrjähriger Ausgleich notwendig, etwa die Möglichkeit zur
steuerlichen Verteilung beziehungsweise Übertragung der Gewinne von
leistungsstarken Landwirtschaftsbetrieben aus guten Jahren in
Krisenjahre", schloss Schultes beim "Fachtag Unternehmen Bauernhof"
in St. Pölten.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
Mag. Wolfgang Wisek,
02742/259-9305, 0664/60 25 92 9305,
wolfgang.wisek@lk-noe.at

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