GBH: Entgleisung vom Wirtschaftsbund ist ungeheuerlich!

Schwerarbeiterregelung ist kein Pensionsprivileg

Wien (OTS/GBH/ÖGB) - Die vom Generalsekretär des Wirtschaftsbundes Abg. z. NR Peter Haubner aufgestellte Forderung, die Schwerarbeiterregelung abzuschaffen, stößt auf heftigen Widerstand und Unverständnis seitens der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH). ++++

Scharf kritisier die GBH die gestrige Aussendung des Wirtschaftsbundes. GBH-Bundesvorsitzender Johann Holper: "Der Vorschlag zur Abschaffung der Schwerarbeiterregelung von Haubner ist unqualifiziert und völlig realitätsfremd. Es ist schon interessant, dass der Wirtschaftsbund genau jene Menschen im Pensionssystem schlechter stellen will, welche unter schwierigsten Bedingungen Schwerarbeit leisten. Offensichtlich weiß Haubner nicht, wovon er spricht - woher auch? Er wird sicherlich die Schwerarbeiterregelung nicht in Anspruch nehmen können!"

Tatsache ist, dass es neben der Invaliditätspension seit 2007 in Österreich auch eine Schwerarbeiterpension gibt. Anspruchsberechtigt sind Männer, welche das 60. Lebensjahr erreicht haben und in den letzten 20 Jahren mindestens 10 Jahre Schwerarbeit nachweisen können. Anstelle der derzeit maximal 15 Prozent Abschläge bei der Invaliditätspension, gibt es bei der Schwerarbeiterpension eine Obergrenze von maximal 9 Prozent. Die bestehenden Anspruchsvoraussetzungen zur Erreichung einer Schwerarbeiterpension sind derzeit für Schwerarbeiter kaum erreichbar. Wesentlich früher werden ältere Arbeitnehmer in den Betrieben "abgebaut" und in Arbeitslosigkeit geschickt.

2009 erreichten lediglich 579 Arbeitnehmer die Zuerkennung der Schwerarbeiterpension. Das sind nur 1,15 Prozent aller Pensionsneuzugänge unter den Männern.

Auch der FSG-Bundesfraktionsvorsitzende der GBH Abg. z. NR Josef Muchitsch ist von Haubner enttäuscht: "Warum macht sich der Wirtschaftsbund nicht Gedanken, wie man bei den Unternehmen ein Bewusstsein für eine längere Beschäftigung, natürlich nur bei zumutbaren Bedingungen, für ArbeitnehmerInnen schafft, anstatt sie bei Krankenständen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen einfach abzumelden und in die Arbeitslosigkeit zu schicken! Ich lade Kollegen Haubner und seine Wirtschaftsbund-SpitzenfunktionärInnen gerne ein, nur einen Tag auf einer Baustelle mitzuarbeiten. In ihren Köpfen wird es danach sicherlich zu einem Umdenken betreffend Abschaffung der Schwerarbeiterregelung kommen - davon bin ich überzeugt!"

Anstelle immer wieder bei den ASVG-Versicherten betreffend Einsparungen "hinzuhacken", sollte sich der Wirtschaftsbund über eine faire und gerechte Regelung bei der Finanzierung aller Pensionen Gedanken machen. So ist zum Beispiel der Bundesbeitrag zur Finanzierung der gewerblichen Pensionen bei den Selbständigen in Prozenten noch immer doppelt so hoch, wie bei den ASVG-Versicherten.

Muchitsch ist bezüglich der Schaffung eines Generationeneinstellungsgesetzes - analog der Grundzüge des Behinderteneinstellungsgesetzes - gesprächsbereit: "Vielleicht sollten wir per Gesetz Unternehmen dazu verpflichten, gesunde, ältere ArbeitnehmerInnen in Beschäftigung zu halten, anstatt sich dieser zu entledigen. Parallel fordert gerade der Wirtschaftsbund mehr ausländische Fachkräfte und eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters - verstehen Sie das?"

Service:
Infos zur Schwerarbeiterregelung gibt es unter:
https://www.sozialversicherung.at/onlineformulare-sva-2.0/pdf/informa
tionFeststellungSchwerarbeit.pdf

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