Aichinger: "Rot-weiß-roter Einzelhandel ist eine Umsatz-, aber keine Ertragslokomotive"

Einzelhandel 2010: Nahezu alle Branchen mit Umsatzplus, aber nicht alle Geschäfte profitierten vom Aufschwung - Handelsobmann: "Umsatzwachstum nicht gleich Ertragswachstum"

Wien (OTS/PWK094) - Der österreichische Einzelhandel konnte im abgelaufenen Jahr 2010 ein nominelles Umsatzplus von 2,7 Prozent (real: +1,2 Prozent) gegenüber 2009 erwirtschaften. "Damit lag das Umsatzwachstum deutlich über jenem der vergangenen Jahre. Und: Der heimische Einzelhandel konnte erstmals seit 2006 auch ein reales Umsatzplus zu verzeichnen", zeigte sich Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ, erfreut. Gemeinsam mit Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria, präsentierte Aichinger heute, Dienstag, die Bilanz des österreichischen Einzelhandels 2010.

2010 profitierten fast alle Branchen - mit insgesamt 40.000 Einzelhandelsunternehmen - vom Konjunkturaufschwung und steigerten die Branchenumsätze "zum Teil deutlich", so Handelsobmann Aichinger. "Insgesamt zeigen alle Quartale eine positive Entwicklung, wobei im März 2010 das höchste nominelle Umsatzwachstum verzeichnet wurde. Auch real lagen die Erlöse in allen Jahresvierteln mit Ausnahme des zweiten Quartals über dem Niveau des Jahres davor", führte Handelsforscher Voithofer aus.

Die Erhebungsergebnisse mit Blick auf die einzelnen Branchen zeigen folgendes Bild: Branchenprimus war einmal mehr der Schuheinzelhandel: Er entwickelte sich - ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau im Vorjahr - mit einem nominellen Umsatzplus von mehr als 10 Prozent unter den betrachteten Einzelhandelsbranchen am besten.

Im Elektroeinzelhandel (inkl. Computer, Foto), im Sportartikeleinzelhandel und in den Baumärkten kam es zu einem Wachstum von mehr als 4 Prozent. Fast alle anderen Branchen konnten ebenfalls Umsatzsteigerungen erzielen. Lediglich der Papier- und Bucheinzelhandel wies ein nominelles Umsatzminus auf. Real konnte ebenfalls der Schuheinzelhandel die höchsten Umsatzzuwächse erzielen. Danach folgten mit dem Elektroeinzelhandel (inkl. Computer, Foto) sowie mit dem Bekleidungseinzelhandel und den Drogerien und Parfümerien Branchen, bei denen die Verkaufspreise gegenüber dem Vorjahr unterdurchschnittlich angestiegen sind. Zum höchsten mengenmäßigen Rückgang kam es im Papier- und Bucheinzelhandel sowie im Lederwareneinzelhandel. Diese beiden Branchen lagen auch bei der nominellen Betrachtung am Ende des Rankings.

Absolut betrug der Umsatz im stationären Einzelhandel in Österreich im Jahr 2010 damit 50,1 Milliarden Euro. Besonders stark fiel heuer das Weihnachtsgeschäft aus: Im letzten Monat des Jahres 2010 konnte ein Plus von 3 Prozent und damit der (Brutto-)Umsatz von 1,57 Milliarden Euro erzielt werden.

Die meisten - wenn gleich nicht alle - Einzelhandelsgeschäfte konnten 2010 ihre Umsätze 2010 steigern. Während 55 Prozent der heimischen Geschäfte im stationären Einzelhandel ein Umsatzplus erwirtschafteten und 9 Prozent zumindest das Umsatzniveau des Jahres davor halten konnten, mussten 36 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen.

Dazu kommt, "dass von einem Umsatzwachstum nicht 1:1 auf ein Ertragswachstum geschlossen werden kann", gibt Handelsobmann Aichinger zu bedenken: "Der durchschnittliche Gewinn vor Steuern lag und liegt im stationären Einzelhandel immer deutlich unter jenem der Gesamtwirtschaft. Damit ist der rot-weiß-rote Einzelhandel zwar eine Umsatz-, aber keine Ertragslokomotive."

Auch im Ausblick für die Handelsentwicklung im laufenden Jahr 2011 zeigte sich Aichinger auf Basis der Prognosen des WIFO zuversichtlich: "Ich bin realistischer Optimist." Allerdings müssten die Rahmenbedingungen passen, insbesondere sind ein stabiler Arbeitsmarkt sowie ein niedriges Zinsniveau, das Investitionen von Unternehmen begünstigt, unabdingbar. (JR)

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