Insolvenzprognose 2011 - International sinken die Insolvenzen, doch das Niveau bleibt hoch

Wien (OTS) - Das Jahr 2011 bringt international einen leichten Insolvenzrückgang, die wirtschaftliche Erholung reicht aber noch nicht für eine substantielle Trendwende. Nach zwei Rekordanstiegen in Folge zeigt der weltweite Rückgang von 4% im vergangenen Jahr in die richtige Richtung. Er wird sich 2011 voraussichtlich mit minus 5% fortsetzen.

Euler Hermes, die Muttergesellschaft von PRISMA, analysiert zweimal jährlich die weltweite Insolvenzsituation. Die Experten beobachten diesen rückläufigen Trend in mehr als der Hälfte des Ländersamples.

Bei PRISMA sieht man den weltweiten Pleiten-Rückgang auch im Zusammenhang mit Stützungsmaßnahmen, wie Steuersenkungen und sektoralen Hilfen. "Es bleibt nun abzuwarten, ob die Unternehmen ohne Stützungsmaßnahmen den Aufschwung weiterhin finanzieren können", so Ludwig Mertes.

Ausgewählte Länder im Überblick (sortiert nach Insolvenzanstieg 2011)

2009 2010 2010 2011 2011 Griechenland 650 810 + 24,6 % 970 + 19,8 % Russland 15.470 16.700 + 8,0 % 18.200 + 9,0 % Tschechien 1.510 1.600 + 6,0 % 1.660 + 3,8 % Irland 1.410 1.530 + 8,5 % 1.530 +/- 0,0 % Italien 9.400 11.400 + 21,3 % 11.400 +/- 0,0 % Portugal 3.820 4.000 + 4,7 % 4.000 +/- 0,0 % Polen 670 720 + 7,5 % 720 +/- 0,0 % Japan 15.480 13.600 - 12,1 % 13.200 - 2,9 % Schweiz 5.220 6.200 + 18,8 % 6.000 - 3,2 % Deutschland 32.690 32.500 - 0,6 % 31.000 - 4,6 % Frankreich 64.530 62.200 - 3,6 % 59.300 - 4,7 % Dänemark 5.710 6.400 + 12,1 % 6.100 - 4,7 % Niederlande 8.040 7.350 - 8,6 % 7.000 - 4,8 % Schweden 7.640 7.110 - 6,9 % 6.760 - 4,9 % China 4.450 3.650 - 18,0 % 3.470 - 4,9 % Lettland 2.150 1.970 - 8,4 % 1.850 - 6,1 % USA 60.840 56.520 - 7,1 % 53.020 - 6,2 % Litauen 1.840 1.600 - 13,0 % 1.500 - 6,3 % Spanien 5.100 5.150 + 1,0 % 4.800 - 6,8 % Österreich 6.902 6.376 - 7,6 % 5.910 - 7,3 % Estland 1.060 930 - 12,0 % 860 - 7,5 % Norwegen 5.010 4.640 - 7,4 % 4.190 - 9,7 % Finnland 3.800 3.510 - 7,6 % 3.160 - 10,0 % Slowakei 780 800 + 2,6 % 700 - 12,5 % Großbritannien 35.190 29.560 - 16,0 % 25.710 - 13,0 % Luxemburg 700 860 + 22,9 % 740 - 14,0 % Ungarn 14.640 17.700 + 20,9 % 13.500 - 23,7 %

Prognosen im Vergleich zum Vorjahr. Stand: 11/2010, Quelle: Euler Hermes

Weiterhin hohes Niveau in Österreich

Nach der schweren Rezession von 2009 (-3,9%) profitiert die österreichische Wirtschaft vom wieder anspringenden Konjunkturmotor. Außerdem sind die Exporte dabei, sich zu erholen - insbesondere nach Deutschland. Der Aufschwung war von einem kontinuierlichen Rückgang der Insolvenzen in jedem Quartal begleitet, allerdings ausgehend von einem Rekordniveau des Jahres 2009, als knapp 7.000 Unternehmen K.O. gingen. Der Insolvenzrückgang wird sich 2011 in Anbetracht des positiven Wirtschaftsausblickes fortsetzen (-7,3%). Es sei aber angemerkt, dass sich die nationalen und internationalen Prognosen nicht immer decken, wie zB in Österreich. Entgegen den Schätzungen von Euler Hermes, prognostiziert der Österreichische KSV1870 einen weiteren Insolvenzanstieg um ca. 3%. Die KSV-Experten gehen davon aus, dass die Insolvenzzahlen der Konjunkturerholung zumindest 2011 noch hinterherhinken werden. Euler Hermes gibt einen positiveren Ausblick.

Problemfall Griechenland

In Griechenland sieht die Lage allerdings bedrohlich aus. Die Wirtschaftsleistung wird wahrscheinlich weiter schrumpfen und die Aussichten auf eine Erholung sind dürftig. Zudem mangelt es an Wachstumsimpulsen und die Schwierigkeiten im Land sorgen für Unruhe auf den Finanzmärkten. Vor diesem Hintergrund rechnet man bei PRISMA mit einem weiteren Anstieg von knapp 20%.

Wichtigste Handelspartner: Deutschland und Italien

Den weltweiten Rückgang muss man in Europa differenziert betrachten. "Wir haben hier schwer vergleichbare Insolvenzniveaus, was in erster Linie auf ungleiche Strukturen zurückzuführen ist. In vielen Ländern nehmen die Unternehmensinsolvenzen weiter zu, gleichzeitig gibt es anderswo beachtliche Insolvenzrückgänge. Davon abgesehen unterscheiden sich die Insolvenzgesetze erheblich", erklärt Mertes.

Beim wichtigsten Handelspartner Deutschland ist die Trendumkehr klar bestätigt. Obwohl sich das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu 2010 leicht abflachen wird, fallen die Unternehmensinsolvenzen dieses Jahr um weitere 4,6% auf 31.000 Fälle. Der zweitwichtigste Handelspartner Italien konnte sich nach der Rekordrezession 2009 wieder aus der Bredouille befreien. 2011 werden die Insolvenzen auf dem Niveau von 2010 stagnieren, wenn ca. 11.400 Unternehmen pleitegehen. "Die Erholung steht aber auf wackeligen Beinen, da das Land unter dem Druck der Finanzmärkte noch nicht die richtige Dynamik erreicht hat. Beim zweitwichtigsten Handelspartner Österreichs bleibt die Gefahr von Forderungsausfällen hoch", sagt Mertes.

Unterschiedliche Aussichten in Mittel- und Osteuropa

Einen positiven Ausblick gibt Mertes für Mittel- und Osteuropa. Nur in Tschechien und Russland werden die Insolvenzen weiter wachsen. Obwohl Tschechien die Krise scheinbar besser bewältigen konnte als die Nachbarländer, dürften die Insolvenzen weiterhin leicht zunehmen (+3,8%). Unterdessen müssen in Russland die Nachwirkungen der Krise sowie ein angehäuftes Budgetdefizit noch verdaut werden. Bis dahin werden die Insolvenzen in diesem Jahr um weitere 9% auf 18.200 Fälle wachsen.

Bei den drei baltischen Tigern erwarten die Experten ebenso einen Rückgang, allerdings bei einem weiter anhaltenden sehr hohen Insolvenzniveau.

Die ansehnlichste Trendumkehr wird 2011 Ungarn zeigen. Die Rezession ging im I. Quartal 2010 zu Ende und die Exporte kurbelten die Wirtschaft wieder an. In dem Umfeld wird für dieses Jahr ein Rückgang von knapp 24% erwartet, wenn ca. 4.000 weniger Unternehmen pleitegehen. Sehr gut dürfte sich auch die Lage in der Slowakei (-12,5%) entwickeln.

USA und China

Nachdem die Insolvenzen in den USA 2009 noch nie da gewesene Höhen erreicht haben, werden sie 2011 um ca. 6% zurückgehen. Das sind aber immer noch 53.000 Unternehmen, die das Handtuch werfen müssen.

Währenddessen kann man sich in China über sensationelle Wirtschaftszahlen und geringe Insolvenzen freuen, die 2011 nochmals um knapp 5% auf etwa 3.500 Fälle sinken werden. "Ich gebe hier aber zu bedenken, dass der Schein etwas trügt. Die Insolvenzverfahren werden in China nach wie vor nicht in Anspruch genommen. Nur staatliche oder bestens bekannte Unternehmen wie zB East Star Airlines gehen den offiziellen Weg", weiß Mertes.

Dennoch Vorsicht geboten

Ludwig Mertes von PRISMA warnt: "Auch wenn die Insolvenzen leicht zurückgehen, ist das Gesamtniveau hoch. Bedenken sollte man auf alle Fälle, dass die Insolvenzverbindlichkeiten vielerorts maßgeblich ansteigen könnten und damit die Gefahr von Forderungsausfällen anhaltend hoch ist." Daher empfiehlt Mertes den exportierenden Unternehmen auf ihr Forderungsmanagement vermehrt zu achten und sich Kreditversicherer als professionelle Partner mit an Bord zu holen.

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet, erzielte 2009 rund 53 Mio. Euro Umsatz und ist Marktführer in Österreich. PRISMA ist zu 100 % Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51 % der Managementholding, 49 % hält die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe, mit Sitz in Paris, ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

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