• 14.02.2011, 19:50:54
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Voest-Krise als positiver Wendepunkt" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 15.02.2011

Graz (OTS) - Heute ist die Voestalpine wieder ein
kraftstrotzendes Unternehmen und einer der Leitbetriebe der Republik
mit 20.000 Mitarbeitern in Österreich. Dass das so ist, konnte sich
vor 25 Jahren nur Wenige vorstellen. Denn damals stand nicht - wie
heute - der Fleiß der Arbeiter, die Kompetenz der Ingenieure, der
Weitblick der Manager und die Vernunft der Aktionäre im Mittelpunkt.
Eine unheilvolle Mischung aus dreister parteipolitischer
Einflussnahme auf die Führung, Maßlosigkeit der fast allmächtig
gewordenen roten Betriebsräte und Missachtung wirtschaftlicher
Notwendigkeiten hatte das Paradeunternehmen fast an die Wand
gefahren.

Die SPÖ wollte damals alle 80.000 Arbeitsplätze der Voest um jeden
Preis halten und hat sie dadurch alle gefährdet. Das Ergebnis dieser
Politik war ein Desaster auf allen Ebenen: Die Jobs waren bis auf
20.000 dennoch weg, das Steuergeld war verplempert, Märkte und
Chancen waren verloren.

Was kam, war zwar - siehe Steuermittel - nicht umsonst, aber auch
nicht vergebens. Denn die Jobs, die in den Stahlbetrieben
verschwanden, waren nicht endgültig dahin. Sie blieben nach
Privatisierungen in Betrieben mit geänderten Firmenschildern direkt
erhalten oder bildeten indirekt die Basis neuer Geschäftsfelder, etwa
im aufstrebenden Sektor der Autozulieferindustrie.

So falsch die Voest-Pläne der SPÖ bis 1986 waren, so richtig war
deren Einschätzung der öffentlichen Meinung. Die SPÖ gewann die
Nationalratswahl 1986 trotz ihrer Rolle bei der Stahlkrise, sie
gewann die von 1995 trotz der Pleite ihres Handelsriesen Konsum und
die von 2006 trotz des Debakels der damaligen ÖGB-Bank Bawag.

Diese Einstellung zum Wirtschaften mag eine der Eigenheiten der
österreichischen Seele sein. Doch auch sie wandelt sich, und die
einstige Krise der Voest hat wesentlich dazu beigetragen. Das Ende
des politischen Einflusses auf diesen Teil der Wirtschaft hat
gemeinsam mit dem Beitritt zur EU und mit der Öffnung der zuvor
abgeschottet gewesenen Märkte im Osten und Südosten zu einem
ökonomischen Aufschwung der Alpenrepublik geführt, der vorher nicht
denkbar war.

Dass heute heimische Industrie- und Handelskonzerne sowie Geldhäuser
von Warschau bis Wladiwostok und von St. Petersburg bis Sofia Spitze
sind, basiert zum Teil auch auf dem heilsamen Schock der Voest-Krise.
Und darauf, dass die Mehrheit der Leute daraus die richtigen Schlüsse
zog und zum Glück nur eine Minderheit in alten roten Träumen
verharrte.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

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