"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Voest-Krise als positiver Wendepunkt" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 15.02.2011

Graz (OTS) - Heute ist die Voestalpine wieder ein
kraftstrotzendes Unternehmen und einer der Leitbetriebe der Republik mit 20.000 Mitarbeitern in Österreich. Dass das so ist, konnte sich vor 25 Jahren nur Wenige vorstellen. Denn damals stand nicht - wie heute - der Fleiß der Arbeiter, die Kompetenz der Ingenieure, der Weitblick der Manager und die Vernunft der Aktionäre im Mittelpunkt. Eine unheilvolle Mischung aus dreister parteipolitischer Einflussnahme auf die Führung, Maßlosigkeit der fast allmächtig gewordenen roten Betriebsräte und Missachtung wirtschaftlicher Notwendigkeiten hatte das Paradeunternehmen fast an die Wand gefahren.

Die SPÖ wollte damals alle 80.000 Arbeitsplätze der Voest um jeden Preis halten und hat sie dadurch alle gefährdet. Das Ergebnis dieser Politik war ein Desaster auf allen Ebenen: Die Jobs waren bis auf 20.000 dennoch weg, das Steuergeld war verplempert, Märkte und Chancen waren verloren.

Was kam, war zwar - siehe Steuermittel - nicht umsonst, aber auch nicht vergebens. Denn die Jobs, die in den Stahlbetrieben verschwanden, waren nicht endgültig dahin. Sie blieben nach Privatisierungen in Betrieben mit geänderten Firmenschildern direkt erhalten oder bildeten indirekt die Basis neuer Geschäftsfelder, etwa im aufstrebenden Sektor der Autozulieferindustrie.

So falsch die Voest-Pläne der SPÖ bis 1986 waren, so richtig war deren Einschätzung der öffentlichen Meinung. Die SPÖ gewann die Nationalratswahl 1986 trotz ihrer Rolle bei der Stahlkrise, sie gewann die von 1995 trotz der Pleite ihres Handelsriesen Konsum und die von 2006 trotz des Debakels der damaligen ÖGB-Bank Bawag.

Diese Einstellung zum Wirtschaften mag eine der Eigenheiten der österreichischen Seele sein. Doch auch sie wandelt sich, und die einstige Krise der Voest hat wesentlich dazu beigetragen. Das Ende des politischen Einflusses auf diesen Teil der Wirtschaft hat gemeinsam mit dem Beitritt zur EU und mit der Öffnung der zuvor abgeschottet gewesenen Märkte im Osten und Südosten zu einem ökonomischen Aufschwung der Alpenrepublik geführt, der vorher nicht denkbar war.

Dass heute heimische Industrie- und Handelskonzerne sowie Geldhäuser von Warschau bis Wladiwostok und von St. Petersburg bis Sofia Spitze sind, basiert zum Teil auch auf dem heilsamen Schock der Voest-Krise. Und darauf, dass die Mehrheit der Leute daraus die richtigen Schlüsse zog und zum Glück nur eine Minderheit in alten roten Träumen verharrte.****

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