Graz: Protestaktion gegen Bettelverbot setzt deutliches Zeichen

Initiator Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher kritisiert politsche Verantwortliche in ÖVP und SPÖ: "Man vertreibt die einen, um die Stimmen anderer zu gewinnen"

Graz, 12.02.11 (KAP) Regen Zulauf findet die kurzfristig initiierte Protestaktion vor dem Grazer Landhaus, die sich gegen das geplante steirische Bettelverbotsgesetz richtet. Weit mehr als tausend Demonstranten sind zum Beginn der Kundgebung am Samstag um 11 Uhr in die Herrengasse gekommen "und es werden laufend mehr", sagte der Grazer Vinzi-Pfarrer im Gespräch mit "Kathpress" kurz nach Beginn der Aktion. Für den Initiator der Kundgebung, an der sich zahlreiche Organisationen und Initiativen aus Kirche und Zivilgesellschaft beteiligen, haben die Menschen damit ein "lautes und unübersehbares Zeichen gegen eine Gesellschaft der Egoisten und für eine Stadt der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe" gesetzt.

Heftige Kritik übte Pfarrer Pucher bei seiner Ansprache zum Beginn der Protestkundgebung an den politischen Betreibern der Gesetzesverschärfung. "Man vertreibt die einen, um die Stimmen anderer zu gewinnen", beschrieb der Grazer Vinzi-Pfarrer das politische Kalkül, das hinter der Gesetzesinitiative stünde und kritisierte namentlich die beiden steirischen Klubobmänner Christopher Drexler (ÖVP) und Walter Kröpfl (SPÖ) sowie den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). Auch hätten die politischen Verantwortlichen bisher keine Maßnahmen zur Bekämpfung der eigentlichen Ursachen des Bettelns gesetzt. Es fehlten "politische Visionen, internationale Solidarität und konkrete Projekte" resümierte Pfarrer Pucher.

Mit der Protestkundgebung solle ein "Prozess der Nachdenklichkeit um sich greifen", meinte Pucher nach seiner Rede gegenüber "Kathpress". Man solle sich nicht durch "Antiziganisten und Hetzer in ein politisches System hineindrängen lassen, in dem nur noch die Starken, Intelligenten, Durchsetzungsfähigen und Schönen das Wort haben", warnte der Grazer Obdachlosenpfarrer. Es müsse "auf Augenhöhe auch einen Platz geben für Menschen, die der Hilfe bedürfen, die allein nicht zurechtkommen und die von anderen ausgenützt werden." Seine Vision und die der Demonstranten sei eine Gesellschaft, "in der jeder den gleichen Platz einnimmt und in der der Stärkere dem Schwächeren die Hand reicht", so Pfarrer Pucher.

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